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Auf kaum ein Buch, so konnte man meinen, wurde in diesem Bücherfrühjahr so gespannt gewartet wie auf den Debütroman der 1972 in London geborenen und heute in Berlin lebenden Sharon Dodua Otoo, die sich selbst nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Aktivistin definiert.

Für ihren Text „Herr Gröttrup setzt sich hin“ wurde sie 2016 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr hielt sie zur Eröffnung der Tage der deutschsprachigen Literatur die Klagenfurter Rede zur Literatur: „Dürfen Schwarze Blumen Malen“, so der bewusst polyvalente Titel der Rede, erfuhr große Aufmerksamkeit.

Und nun also ein Roman, der in seiner komplexen Erzählstruktur und Figurenrede nicht geringe Anforderungen stellt. Denn Ada, die Titelfigur, ist nicht eine, sondern gleich vier, und sie geistert durch die Jahrhunderte der Weltgeschichte, um schließlich im Berlin der Gegenwart anzukommen.

Zwischen der Ada im Westafrika im 15. Jahrhundert über die Mathematikerin Ada Lovelace, die im Roman ein Verhältnis mit dem Schriftsteller Charles Dickens hat, und einer Prostituierten im Konzentrationslager Buchenwald fließt die Erzählstimme hin und her.

Aber was heißt Erzählstimme? Die Erzählinstanzen sind ebenso variabel wie die Zeitebenen: Ein Reisigbesen, ein Türklopfer. Oder auch ein Zimmer. Denn darum geht es: Um Freiräume und Unterdrückungsszenarien, die in einer Kontinuität stehen, aber nicht zwangsläufig in einer kausalen Verbindung.

Buchkritik Sharon Dodua Otoo - Adas Raum

Sie heißen alle Ada: Die eine lebt 1459 in Ghana, die zweite 1848 in London, die dritte in einem KZ in Thüringen, und die vierte kommt 2019 nach Berlin. Ihr Name verbindet sie miteinander – und auch ein geheimnisvolles Armband, das über die Jahrhunderte weitergegeben wird. Mit „Adas Raum“ hat Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo ihren ersten Roman vorgelegt: eine verschlungen poetische, aber manchmal auch etwas plakative Geschichte.
Rezension von Katharina Borchardt.
S. Fischer Verlag, 320 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-10-397315-0  mehr...

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