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Ulrich Peltzer ist ein Meister der erlebten Rede und ein wahrlich philosophischer Schriftsteller, der die Diskurse in literarische Sprache und in Handlung zu übersetzen weiß. In seinem neuen Roman ergründet Peltzer die Grundlagen der Verfasstheit eines intellektuellen Milieus, das bis heute einflussreich ist, zugleich aber auch verklärt wird: Das West-Berlin der frühen 1980er-Jahre erscheint als ein großer Möglichkeitsraum, in dem Ideen, Theorien, Filme, Lektüren und politischer Aktivismus ineinanderfließen.

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Eine groteske Insellage hat West-Berlin seit Jahren geprägt. Durch die Mauer geteilt, ist sie auch ein Ort der Freiheit, der Improvisation. Der Ich-Erzähler blickt zurück und fragt sich, warum alles so gekommen ist, wie es ist: „Plötzlich ist es vorbei, und man kann nur noch davon erzählen. Man weiß nicht genau, warum, und auch nicht, warum jetzt, so lange danach.“

Dann zieht Peltzer seine Leser in den Strom seiner Sprache und in die Erinnerungswelt eines Mannes, angefangen in jener Nacht, in der er sich mit der Nagelschere die Haare raspelkurz abgeschnitten hat. Günstige Hinterhofwohnungen mit qualmenden Öfen, Drogen, Frauenbekanntschaften, Bücher, Begegnungen in Bars. Ein Kaleidoskop der Erfahrungen, und dazwischen immer wieder die Frage: Was von alldem hat Dich zu dem gemacht, der Du bist?

So klug und hochreflektiert und zugleich so mitreißend können nur wenige erzählen. Der studierte Psychologe Peltzer blickt nicht nostalgisch, aber am Ende vielleicht doch mit einem romantisch gefärbten Filter auf eine Zeit des Aufbruchs.

Buch der Woche Ulrich Peltzer – Das bist Du

Punk und Pop, Kneipen, Kultur und Lust an der Theorie: Ulrich Peltzer schreibt den Soundtrack der frühen 80er Jahre in West-Berlin. Das schillernde Selbstporträt des Künstlers als junger Mann, der sich selbst fremd geworden ist.  mehr...

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