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Der Begriff der Nationalliteratur steht schon längst in der Besenkammer. Und die Frage „Wo kommst Du her?“ zu stellen, ist ein Fauxpas. Andererseits ist Identitätspolitik das Spiel der Stunde, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Roman den gesamten Diskurs um ethnische Zugehörigkeit, Herkunft und falsche Heimatgefühle einmal gehörig durcheinanderwirbelt, auf sehr lustige Weise, aber mit einem dahinter liegenden tieferen Ernst.

Dany Laferrière wurde 1953 in Port-au-Prince auf Haiti geboren und floh im Alter von 23 Jahren vor den diktatorischen Verhältnissen nach Kanada. Er wehrt sich gegen das Etikett „Exilautor“ und gehört mittlerweile zu den renommiertesten Schriftstellern Kanadas. Sein neuer Roman spielt gekonnt mit stereotypen Zuschreibungen. Das fängt bereits mit dem Titel an: Als der Verleger des Protagonisten ihn nach dem Titel seines neuen Buchs fragt, antwortet er: „Ich bin ein japanischer Schriftsteller.“ In Japan war er noch nie; die Sprache spricht er auch nicht, trotzdem erfindet er ein komplettes Szenario, das selbstverständlich wiederum hart am Klischee entlangbalanciert.

Zudem ranken sich Gerüchte um sein Projekt, die gar die hohe Diplomatie auf den Plan rufen. Nationale Empfindlichkeiten? Kulturelle Aneignungen und Übergriffe? All das wischt Laferrière gekonnt vom Tisch.

SWR Bestenliste September

Die SWR Bestenliste empfiehlt seit über 40 Jahren verlässlich monatlich zehn lesenswerte Bücher, unabhängig von Bestsellerlisten. Nicht die Bücher, die am häufigsten verkauft werden, bestimmen die Liste, sondern eine Jury, bestehend aus 30 namhaften LiteraturkritikerInnen, wählt die Bücher aus, denen sie möglichst viele LeserInnen wünscht.  mehr...

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