STAND

Warum ist es plötzlich so dunkel? Stanley sucht nach Halt, doch seine Finger greifen überall ins Leere. Er kratzt sich den Kopf, setzt danach die Melone wieder auf, rückt die Fliege zurecht und macht ein leicht dümmliches Gesicht, das niemand sehen kann, weil es ja dunkel ist, das aber Millionen von Menschen schon gesehen haben, weil dieser Stanley niemand Geringeres ist als Arthur Stanley Jefferson, besser bekannt als Stan Laurel, die dünnere Hälfte des Duos „Laurel & Hardy“, das in Deutschland skandalöserweise noch immer unter dem Namen „Dick & Doof“ bekannt ist.

Stanley erinnert sich an die Anfänge seiner Rolle und an Episoden aus den Filmen. Und dann stolpert er im Dunkeln über etwas ziemlich Großes, über einen Menschen, in dem er zunächst glaubt, seinen Partner Oliver Hardy wiedergefunden zu haben, obwohl der ja bereits tot ist. Aber der dicke Mann, der ihn in ein philosophisches Gespräch entwickelt, stellt sich nach einiger Zeit als Thomas von Aquin vor. Das ist eine wirklich vollkommen groteske Idee.

Markus Orths entfaltet aus seinem zunächst absonderlich anmutenden Einfall einen amüsanten und doch tiefgängigen Roman, der in einem Zwischenreich zwischen Leben und Tod angesiedelt ist und in dem der Komiker aus dem 20. und der Theologe aus dem 13. Jahrhundert in ein Gespräch eintauchen, das stets auf dem Grat zwischen Albernheit und Erkenntnis balanciert.

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