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Es gibt wahrscheinlich keinen Schriftsteller, der so genau und unterhaltsam die Seelenlage der Ostdeutschen seit dem Mauerfall 1989 in Literatur gefasst hat wie Ingo Schulze. In seinem neuen, raffiniert gebauten Roman setzt er sich mit einem entgleisten Intellektuellen auseinander.

Norbert Paulini, geboren 1953 in Dresden, wächst unter Büchern auf. Im Jahr 1977 eröffnet Paulini das Antiquariat, das seine Mutter einst geführt hat, neu. Binnen kurzer Zeit wird er zu einer geradezu mythischen Leitfigur des Dresdner Bildungsbürgertums.

Paulini ist kein sympathischer Mann. Er ist elitär und hochfahrend, verschroben und unfreundlich. Aber er seine Belesenheit und seine geistige Unabhängigkeit bescheren ihm eine Gemeinde.

Nach der Wende geht sein Leben den Bach hinunter, weil ihm Status und Geschäftsmodell verloren gehen. Paulini wird zu einem Anhänger völkischen Gedankenguts.

Hoch interessant sind die Fragen, die in „Die rechtschaffenen Mörder“ aufgeworfen werden: Muss ein enthusiastischer Leser automatisch auch ein guter Mensch sein? Führt ein politisch desinteressierter Ästhetizismus in die Radikalität? Wer hat das Recht, über Biografien und deren wechselhafte Verläufe zu schreiben und damit auch das Recht, darüber zu urteilen? Ein Buch mitten aus unserer Zeit.

Buch der Woche Ingo Schulze - Die rechtschaffenen Mörder

Ingo Schulze erzählt von dem ostdeutschen Antiquar Norbert Paulini, der sich in der DDR als Dissident feiern ließ und der nach der deutschen Einheit zum rechtsradikalen Eigenbrötler wird.  mehr...

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