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Knapp 160 Seiten nur – aber wie viele Leben erzählt die Österreicherin Monika Helfer in ihrer klaren, unprätentiösen und doch so anschaulichen Sprache! Monika Helfer, Jahrgang 1947, hat die Geschichte ihrer eigenen Familie aufgeschrieben.

Sie beginnt im Jahr 1914, im September, Josef und Maria Moosbrugger leben am Rand eines Bergdorfes; man nennt sie die Bagage. Maria sieht den Briefträger schon von weitem sein Fahrrad den steilen Hang zum Haus hinaufschieben und weiß, was das bedeutet: Ihr Mann wird zum Krieg eingezogen. Da ist die Mutter der Erzählerin noch nicht geboren.

Josef zieht ins Feld, Maria ist von nun an abhängig vom Bürgermeister der Gemeinde und dessen Schutz, und dann kommt da eines Tages Georg aus Hannover ins Dorf, der ein schöner Mann ist. Maria wird schwanger mit Margarete, der Mutter der Erzählerin.

Josef, der aus dem krieg zurückkehrt, war, so heißt es liebevoll, „im Großen und Ganzen war er liebevoll“, aber das kleine Mädchen verabscheute er. Er ekelte sich vor ihr, was sich paradoxerweise auch darin zeigte, dass er das Kind niemals schlug.

Es gelingt Monika Helfer auf wundersame Weise, mit lakonischer Eleganz Lebensläufe, Hoffnungen und an historischen Zwängen zerschellende Träume nachzuzeichnen.

Was uns in diesem Buch begegnet, ist nicht das Erwartbare. Beinahe alle Figuren dieses Romans liegen mittlerweile unter der Erde. Monika Helfer porträtiert sie in Würde.

Buch der Woche | Corona-Bibliothek Monika Helfer - Die Bagage

Monika Helfer erkundet in ihrem Roman „Die Bagage“ familiäre Lebenswege, vor allem das Schicksal einer Landfrau in Zeiten des Ersten Weltkriegs und beeindruckt dabei mit einer ebenso sensiblen wie klugen Erzählweise.
Rezension von Carsten Otte.

Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-26562-2
160 Seiten
19 Euro  mehr...

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