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Vorbild und Instanz: Die von Robert Gillett und Astrid Köhler herausgegebene, sorgfältig edierte und umfangreich kommentierte Neuausgabe zeigt Adolf Endlers Schaffen in allen Entwicklungsstufen und in seiner ganzen Vielfalt.

Zehn Jahre nach dem Tod des in Düsseldorf geborenen und 1955 in die DDR übergesiedelten Schriftstellers erscheint nun sein gesamtes dichterisches Werk, inklusive einiger Texte aus dem Nachlass, in einem knapp 900 Seiten starken Band.

Endler hat die lyrische Landschaft der DDR seit den 1960er-Jahren entscheidend mitgeprägt. Dabei hat er sich nie von staatlichen Vorgaben einengen lassen. Seine Texte sind strukturell anarchisch, sie blitzen vor Komik und bizarren Einfällen, sind aber gleichzeitig von einer wohlüberlegten Form getragen. Endler war Vorbild für ihm nachfolgende Generationen und Instanz zugleich.

Der überzeugte Kommunist, als der er in die DDR ging, wandelte sich im Lauf der Jahre zu einem eher distanzierten, ironisch zweifelnden Zeitgenossen. 1979 wurde er aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Das absurde Gebilde, das der Staat DDR mit zunehmender Dauer seiner Existenz darstellte, verwandelte Endler in poetisches Material.

Wie bedeutend sein Schaffen war, lässt sich an den beiden Bänden „Der Pudding der Apokalypse“ und „Krähenüberkrächzte Rolltreppe“ ablesen, die das Produkt von Endlers eigener Neusichtung seines Werkes waren, das er selbst zu Lebzeiten noch in überarbeiteter Form veröffentlicht hat.

Die von Robert Gillett und Astrid Köhler herausgegebene, sorgfältig edierte und umfangreich kommentierte Neuausgabe zeigt Endlers Arbeit nun in allen Entwicklungsstufen und in seiner ganzen Vielfalt.

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