Platz 9 (24 Punkte) Ilma Rakusa: Mein Alphabet

Lebenserinnerungen, geordnet nach Alphabet. Ilma Rakusa, Übersetzerin, Schriftstellerin, Literaturvermittlerin, kennt jedes Genre. Zwischen Lyrik, Essay und Selbstbefragung ergibt eine Assoziation die nächste. Es geht um Freiheit, Erinnerung, Familie. Und wieder und wieder um Lektüren und das, was sie mit einem machen.

Cover des Buches "Mein Alphabet" von Ilma Rakusa, Platz 9 der SWR Bestenliste September 2019 (Foto: Pressestelle, Droschl Verlag)
Pressestelle Droschl Verlag

Ilma Rakusa ist eine der angesehensten Vermittlerinnen, Interpretinnen und Übersetzerinnen von Literatur aus dem osteuropäischen und balkanischen Sprachraum.

Gleichzeitig ist Ilma Rakusa, Tochter einer ungarischen Mutter und eines slowenischen Vaters, auch eine in allen Gattungen heimische Schriftstellerinnen. Ihr neues Buch „Mein Alphabet“ ist ein ungemein persönliches und zugleich reiches.

Zu jedem Buchstaben des Alphabets findet Rakusa Begriffe, denen sie die Abstraktion nimmt und sie mit Inhalten, Erinnerungen, Träumen und Assoziationen füllt.

Die Form changiert zwischen Essay, Lyrik und Selbstbefragung. Und es ist ganz gleich, an welcher Stelle man das Buch aufschlägt – man liest sich umgehend fest an diesen stilistisch exzellenten Splittern.

„Macht dir das Alter Angst?“ Ja, sagt Rakusa, weil es ihr die Unabhängigkeit raube.

Von diesem Stichwort kommt sie zu Friederike Mayröcker und zur Einsicht, dass das Alter nicht langweilig sein müsse.

Oder: Tür. Eine Erinnerung an ein Eingesperrtsein in einem miefigen WC. Daraus erwächst eine Reflexion über Klaustrophobie.

Rakusa schreibt ihre Autobiografie und die Biografie ihrer Lektüren. Bei der Literatur kommt sie früher oder später immer an. Es geht nicht ohne. Am Ende: Die Zeit. „Drinnen strahlt es weiß. Im Abschiedsspiegel.“

Chapeau.

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