Platz 8 (25 Punkte) Jan Brandt: Ein Haus auf dem Land / Eine Wohnung in der Stadt

In seinem spektakulären, rund 1000 Seiten starken und zurecht gefeierten Debütroman „Gegen die Welt“ erzählte Jan Brandt vom Aufwachsen in einem ostfriesischen Dorf; von einer Heavy-Metal-Jugend auf dem platten Land und von den zahlreichen Versuchen, der Provinzhölle samt väterlichem Drogeriegeschäft zu entfliehen.

Brandts neues Buch sind zwei Bücher in einem, die sich von jeweils einer Seite lesen lassen, und beide haben sowohl miteinander als auch mit dem Dorf Ihrhove zu tun, aus dem Brandt vor rund 20 Jahren aufgebrochen ist, um als Künstler seinen Weg zu gehen. Zum einen, und das ist der Part „Eine Wohnung in der Stadt“, zeigt der Autor sich als einen Ort- und Heimatlosen, denn er sucht eine Wohnung. In Berlin. Zu einem bezahlbaren Preis. In Romanen und Zeitungen konnten wir in den vergangenen Jahren nachlesen, wie nahe an der Unmöglichkeit ein derartiges Unterfangen mittlerweile ist. Brandt listet akribisch die Folgen der Gentrifizierung auf, inklusive Mietspiegelentwicklung und asozialem Verhalten.

In „Ein Haus auf dem Land“ wiederum geht es um das Haus von Brandts Urgroßvater, den so genannten Gulfhof, erbaut im Jahr 1863, den Brandt in seiner Verzweiflung zu kaufen erwägt. Es wäre eine Rückkehr wider Willen. Jan Brandt, einer der klügsten und besten Schriftsteller seiner Generation, verbindet Gegenwartsphänomene zu einer großen Reflexion über Heimat, künstlerische Freiheit und enttäuschte antikapitalistische Versprechen.

Zum Autor:

Jan Brandt, geboren 1974 in Leer (Ostfriesland). Sein Roman „Gegen die Welt“ (DuMont 2011) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Bei DuMont erschienen außerdem „Tod in Turin“ (2015), „Stadt ohne Engel“ (2016), „Der magische Adventskalender“ (2018) und „Ein Haus auf dem Land/Eine Wohnung in der Stadt“ (2019).

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