Platz 7 (25 Punkte) Franz Michael Felder: Aus meinem Leben

Die unglaubliche Geschichte eines Bauernbubs aus Vorarlberg, der sich aus seiner engen Welt hinausdachte, der wegen seiner Leidenschaft zu den Büchern im Dorf argwöhnisch beäugt wurde, ist bis heute einer der beeindruckendsten Texte der österreichischen Literatur.

Cover des Buches "Aus meinem Leben" von Franz Michael Felder, Platz 7 der SWR Bestenliste September 2019 (Foto: Pressestelle, Jung und Jung Verlag)
Pressestelle Jung und Jung Verlag

In der Bibliothek „Österreichs Eigensinn“ sind die Lebenserinnerungen des Franz Michael Felder nun neu aufgelegt worden. Im Sommer 1868 starb Felders Frau im Alter von 30 Jahren. Im April 1896 erliegt Felder selbst einer kurzen, aber schweren Krankheit.

In dieser Zwischenzeit ist Felders Autobiografie entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war Felder bereits ein bekannter Autor. Sein erster Roman „Sonderlinge“ war ein Jahr zuvor erschienen; der Germanistenclub in Leipzig ernannte ihn dafür zum Ehrenmitglied.

Felder war kein Revolutionär, aber ein Mann, dem es nichts ausmachte, Rebell genannt zu werden und der mit wachem Auge und klarem Verstand die Herausforderungen seines Umfeldes erkannte.

Er gründete eine landwirtschaftliche Genossenschaft, legte sich mit dem aufklärungsfeindlichen Klerus an und gründete stattdessen eine Bücherei. Sein Lebensbericht ist, wie es Arno Geiger in seinem Vorwort formuliert, „nahe dran an den Wörtern und nahe dran an dem, was er zu sagen hat.“

Felders Stil ist unspektakulär und unaufgeregt. Und er ist grundiert von der Trauer um die geliebte Ehefrau. Die Trauer erzeugt bei Felder keine Wut, sondern einen milden Blick auf seine Gegner. Auch das verleiht dem Buch Größe.

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