Platz 4 (31 Punkte) Sally Rooney: Gespräche mit Freunden

Der Roman zur oder der Generation Y: Geredet wird über vieles, offen ist man für alles. Es könnte auch umgekehrt sein. Die Stimmung ist vage melancholisch, selbst eine Liebesgeschichte bleibt unentschlossen. Weltbilder entstehen aus Dialogen. Ein Entwicklungsroman, in dicke Tücher gehüllt.

Cover des Buches "Gespräche mit Freunden" von Sally Rooney, Platz 4 der SWR Bestenliste September 2019 (Foto: Pressestelle, Luchterhand Literaturverlag)
Pressestelle Luchterhand Literaturverlag

Buch der Saison, Teil 2: So wahnsinnig viel passiert gar nicht in Sally Rooneys Debütroman. Und erst recht nicht das Spektakuläre, Weltumspannende.

Es ist eine Dreiecksbeziehung, aber selbst die noch nicht einmal in aller Konsequenz. Trotzdem, oder vielleicht deswegen, gilt die 1991 in Dublin geborene Schriftstellerin als die wichtigste literarische Stimme der Generation Y, der so genannten Millennials, die Bret Easton Ellis in seinem jüngsten Buch „Weiß“ in „Generation Weichei“ umbenannte.

Francis ist 20 Jahre alt und studiert am Trinity College in Dublin. Mit ihrer besten Freundin Bobbi verband sie früher mehr als nur eine Freundschaft; jetzt treten die beiden gemeinsam bei Spoken-Word-Performances auf.

Francis und Bobbi sind tatsächlich generationentypische Vertreterinnen. Sie chatten, sind offen für vieles, vor allem, wenn es darum gilt, darüber zu reden; sie haben sich von den festgefügten Lebensmodellen ihrer Elterngeneration ebenso verabschiedet wie von dem Gedanken, dereinst in deren ökonomischen Wohlstand leben zu dürfen.

Dann lernen die beiden Anfangszwanzigerinnen Melissa und Nick kennen; Melissa ist 37 Jahre alt und Journalistin; er ist Schauspieler und etwas jünger.

Und der Roman wird zu einer dezenten, wie durch eine Glaswand sich selbst beobachtenden Liebesgeschichte, zugleich zu einem Entwicklungsroman.

Doch es ist weder eine spannende Dramaturgie, die Rooneys Roman zu einer interessanten Lektüre werden lässt, sondern die unausgesprochen elegische Stimmung und die Weltbilder, die sich aus den Dialogen herausschälen.

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