Platz 1 (74 Punkte) Übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer. Herausgegeben von Judith Schalansky

T.H. White, 1906 in Indien geboren und 1964 in Griechenland gestorben, war ein exzentrischer Sonderling, der als Grundschullehrer arbeitete, sich intensiv mit dem Mittelalter auseinandersetzte und es mit seinem Werk „Der König auf Camelot“ zu Popularität brachte. 1936 zog White sich von seinem Lehrerberuf zurück, mietete ein Cottage in der Nähe von Buckinghamshire, etwa 100 Kilometer nordwestlich von London gelegen, und ließ sich aus Deutschland einen jungen, männlichen Habicht schicken, um ihn abzurichten.

Ein Unterfangen, das aus mehreren Gründen zum Scheitern verurteilt war: Zum einen, weil gerade der Habicht in seiner Nervosität als ungeeignet für Anfänger gilt. Zum anderen, weil White sich bei seinen Abrichtungsversuchen in erster Linie auf ein im Jahr 1619 erschienenes Lehrbuch zum Umgang mit Jagdvögeln stützte. „The Goshawk“, so der Titel des Originals, wurde von White selbst aus verstreuten Notizbuch-Einträgen zusammengetragen, erschien schließlich 1951 und ist nun in der „Naturkunden“-Reihe des Matthes & Seitz Verlags in Pauline Altmanns gewohnt eleganter Gestaltung erstmals als deutsche Ausgabe erhältlich.

Der Habicht wird bei White zu einem Symbol der Freiheit, an der sein Besitzer partizipieren möchte. Die empfindsame Seele ist nicht der Autor, sondern das Tier. So entsteht ein Bildungsroman en miniature. Und detailreiches Porträt der Landschaft und eines Landes im vagen Vorgefühl eines kommenden Kriegs.

Zum Autor:

Terence Hanbury White wurde 1906 in Bombay, Indien geboren. Zwischen 1930 und 1936 arbeitete er als Englischlehrer an einer staatlichen Schule und begann, nebenbei zu schreiben. Mit der vierbändigen Romanserie über die Artussage "Der König auf Camelot" gelang ihm ein beachtlicher Erfolg. Der erste Teil wurde 1963 unter dem Titel "Die Hexe und der Zauberer" von Walt Disney verfilmt. Seine späteren Lebensjahre verbrachte White zurückgezogen auf der Kanalinsel Alderney. 1964 erlitt er während einer Schiffsreise einen Herzinfarkt und starb auf See in der Nähe von Athen.

STAND