Gespräch

Antisemitismus-Opfer Philipp Auerbach: Sein Kampf für Gerechtigkeit im Nachkriegsdeutschland

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Frauke Oppenberg

Auberbach zeichne eine widersprüchliche Persönlichkeit aus, die unter anderem auf seine Erfahrungen als Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz zurückzuführen sei, sagt der Journalist und Autor Hans-Hermann Klare im Gespräch mit SWR2. Klare hat die Biografie „Auerbach. Eine jüdisch-deutsche Tragödie oder Wie der Antisemitismus den Krieg überlebte“ geschrieben.

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Auerbach war Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in München. Er sei jemand gewesen, der aneckte, selbstherrlich und machthungrig, jedoch auch mutig mit dem Glauben an Gerechtigkeit, meint Hans-Hermann Klare.

Auerbach hat sich ab 1946 einerseits für die Rehabilitierung verfolgter NS-Opfer eingesetzt, andererseits als Staatskommissar geholfen, ehemalige Nazis zu finden und zu verhaften. „Er war davon überzeugt, jüdisches Leben kann in Deutschland wieder möglich sein“, erklärt Klare, „damit war er im Widerspruch zu vielen anderen Juden.“

1952 wurde Philipp Auerbach angeklagt. Seine Richter waren ehemalige NS-Justizbeamte und SA-Mitglieder. Der Hauptzeuge wurde später in einem anderen Verfahren wegen Meineids verurteilt. Von den verschiedenen Vorwürfen blieb später nur übrig, dass Auerbach in einem Interview seinen Doktortitel verwendet hatte, als er seine Promotion noch nicht abgeschlossen hatte.

Philipp Auerbach wurde verurteilt und nahm sich noch am gleichen Tag das Leben. Er wurde 45 Jahre alt.

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