Gespräch

Amia Srinivasan – Das Recht auf Sex

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INTERVIEW

Die Bedeutung von Srinivasans Buch bestehe nicht in einer neuen feministischen Theorie, so SWR2 Kulturredakteurin Silke Arning, sondern in der kritischen Hinterfragung von Normen, die das Verhältnis der Geschlechter und das scheinbar individuelle Verhalten prägen. Wie entstehen solchen Normen, wie wirken sie. Das sei ein Gegen-den-Strich-denken, das wichtig sei, sagt Silke Arning im Gespräch mit Lukas Meyer-Blankenburg

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"The right to sex" erschien 2018 mitten in der Metoo-Debatte

Amia Srinivasan gilt als junge Star-Philosophin aus Oxford. Die Tochter indischer Eltern ist in New York aufgewachsen und hat eine steile akademische Karriere gemacht. Mit 37 Jahren ist sie die jüngste Inhaberin eines renomierten Lehrstuhls für soziale und politische Theorie. Außerdem ist sie in dieser Position die erste Frau und die erste Person of Colour.

Amia Srinivasans Essay "The right to sex" erschien 2018 mitten in der Metoo-Debatte und sorgte vor allem im anglo-amerikanischen Raum für großes Aufsehen. Die Autorin beschreibt Sex vor allem als politisches Phänomen, als eine Frage der Macht. Außerdem spielt die Prägung durch Bilder in den Medien eine entscheidende Rolle.

Am 19. Februar ist die Sammlung mit mehreren Essays „Das Recht auf Sex“ auf Deutsch erschienen.

Gibt es ein "Recht auf Sex"? Natürlich nicht

Amia Srinivasan begann 2014 mit der Arbeit an dem Essay „Das Recht auf Sex“ nach dem Amoklauf von Eliot Rodger, der in der Nähe des Campus der University of California in Santa Barbara sechs Menschen tötete und 14 weitere verletzte. Er begründete seine Tat in einem "Manifest" damit, dass die Frauen ihm Sex vorenthalten hätten. Rodger ist also ein typischer "Incel", was für "involuntary celibate", also unfreiwillig zölibatär steht.

Srinivasan entwickelt die These, dass das Begehrtwerden nicht nur individuell, sondern vor allem politisch verankert ist. People of Colour, Menschen aus der Arbeiterschicht, Menschen mit einem Handicap zählen zu den weniger Begehrten. Dagegen stehen junge, schlanke, blonde Frauen im Ranking des Begehrtwerden weit oben. Unser Begehren ist also, so Srinivasan, sehr stark gesellschaftlich normiert, ritualisiert und rassistisch grundiert.

Srinivasan analysiert gesellschaftliche Normen und fragt, wie sie entstehen

Nicht zuletzt lassen sich diese Einflüsse an der Prägung durch die Pornografie ablesen. In den pornografischen Bildern werden Machtverhältnisse gezeigt, die gesellschaftlich fortwirken.

Die Bedeutung von Srinivasans Buch bestehe nicht in einer neuen feministischen Theorie, so SWR2 Kulturredakteurin Silke Arning, sondern in der kritischen Hinterfragung geltender Normen. Wie entstehen solchen Normen, wie wirken sie. Das sei ein Gegen-den-Strich-denken, das wichtig sei.

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