Literatur Martin Walser las aus „Mädchenleben oder Die Heiligsprechung“

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6:00 Uhr
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SWR2

Ein Buch ist für Martin Walser erst dann wirklich erschienen, wenn er öffentlich daraus vorgelesen hat. Und so las der 92-jährige Autor am 1. Dezember im Literaturhaus Stuttgart über eine Stunde aus seinem neuen Buch „Mädchenleben oder die Heiligsprechung“.

Eine „seriöse“ Heiligsprechung

Das Mädchen Sirte soll heiliggesprochen werden. Eine Heiligsprechung als Thema in einem Buch im Jahr 2019? „Mit diesem Heiligsprechungsprozess kam ich mir sehr seriös vor“, sagt Martin Walser süffisant im Gespräch mit dem Literaturkritiker und Walser-Biograf Jörg Magenau.

Die Person der Sirte geht zurück auf Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1961. Ihr Nachname Zürm wird Walser-Lesern bekannt vorkommen, unter anderen aus „Das Schwanenhaus“ und „Seelenarbeit“.

„Der Autor findet das interessant“

Im neuen Buch verhalten sich die meisten Personen äußerst seltsam. Sirte durchläuft auf dem Weg zur Heiligsprechung eine Art Martyrium. Sie lässt sich von einem Säufer schlagen anstelle von dessen Frau, bis der Schläger genug von Schlagen hat und aufhört zu saufen. Sirtes Vater schmiert sich Kuhfladen ins Gesicht und vergewaltigt des öfteren seine Frau.

Dazu der Autor: „Es ist nicht alltäglich, dass jemand sich – Entschuldigung – Scheiße ins Gesicht schmiert und die Frau vergewaltigt. Und die Frau versteht das am wenigsten. Aber der Autor findet das interessant.“

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