Al-Aswani veröffentlicht neuen Roman Ägypten: Illusion einer Republik

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In Ägypten jährte sich am 11. Februar der dramatische Rücktritt des Diktators Hosni Mubarak. Sieben Jahre ist es her, dass das Volk dort zu Massenprotesten auf die Straße ging und den Präsidenten stürzte. Passend zu diesem Anlass hat der ägyptische Bestseller-Autor Alaa al-Aswani gestern seinen neuesten politischen Roman herausgebracht, allerdings im Libanon und nicht zu Hause in Ägypten. Sein Verleger in Kairo sei zuvor massiv unter Druck gesetzt worden, klagt der Schriftsteller.

Sein neuer Roman ist eigentlich ein Rückblick: auf Ägypten im Revolutionsjahr 2011. Aber Alaa al-Aswani, ein Meister der literarischen Gesellschaftsanalyse, schaut nie nur zurück. Schon der Titel seines Buches ist brandaktuell: „Gomhorreya kaanu“, „Republik als ob“.

Der Titel verweise auf ein Phänomen, das nur in einer Diktatur auftauche, so Alaa al-Aswani. In einer Diktatur sähe alles so aus „als ob“. Es wirke real, aber es sei „Fake“. Angefangen bei den Wahlen, die der Präsident organisiere, bis hin zum Privatleben jeder Frau, jedes Mannes in Ägypten oder in jeder anderen Diktatur. Die Menschen lernten zu verbergen, wer sie wirklich sind.

Wie die Ägypter das tun, erzählt Alaa al-Aswani mit Hilfe seiner fiktiven Protagonisten aus allen Bevölkerungsschichten vor dem realen Hintergrund der Revolution.

Ein bitteres Déjà-vu der Diktatur

Heute, im Jahr 2018, enthält dieser Romanstoff ein bitteres Déjà-vu. Ägyptens autokratisch regierender Präsident Abdel Fattah al-Sisi stellt sich ohne nennenswerten Gegenkandidaten Ende März zur Wiederwahl. Wer daran Kritik übt, ist staatlichen Repressionen ausgesetzt.

Al-Aswanis neues Buch musste jetzt deshalb von einem libanesischen Verlag herausgebracht werden. Der 60-Jährige berichtet, dass sich sein Verleger in Ägypten schlichtweg nicht mehr getraut habe, weil es starken Druck der Sicherheitsbehörden gegeben habe: "Es ging in erster Linie um den Inhalt, aber auch um mich als Person. Ich bin in Ägypten von allem ausgeschlossen worden. Ich kann weder in der Zeitung schreiben noch im Fernsehen auftreten." Ein Verleger sei kurzfristig abgesprungen mit der Begründung, er könne die politischen Konsequenzen für dieses Buch nicht tragen.

Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah al Sisi (Foto: picture-alliance / dpa, picture alliance / dpa - 360-berlin/ Jens Knappe)
Ägyptens autokratisch regierender Präsident Abdel Fattah al-Sisi stellt sich ohne nennenswerten Gegenkandidaten Ende März zur Wiederwahl. Wer daran Kritik übt, ist staatlichen Repressionen ausgesetzt. picture alliance / dpa - 360-berlin/ Jens Knappe

Staatliche Repression und Zensur sind an der Tagesordnung

Al-Aswanis Fall ist nur einer von vielen. Immer wieder gibt es Razzien bei ägyptischen Verlegern, Festnahmen von Schriftstellern, Bloggern. Allein 31 Journalisten sind derzeit in Haft, so das Kairoer Journalistensyndikat vor wenigen Tagen. Reporter sind vermisst.

Der deutsche Schriftstellerverband PEN blickt mit großer Sorge nach Ägypten. Gesetzesänderungen sollen die staatlichen Übergriffe legitimieren, sagt Vizepräsident Sascha Feuchert. Man habe sich erst im November an den Hohen Kommissar für Menschenrechte der UN gewandt und darauf hingewiesen, in welcher Weise einige Gesetze die Meinungsfreiheit einschränken und den Sicherheitskräften in die Hände spielen, um Oppositionelle und darunter eben besonders die Autoren massiv einzuschüchtern und zu verfolgen – durch willkürliche Festnahmen, Haft unter übelsten Bedingungen oder Ausreiseverbote.

Ägyptische Journalisten protestieren mit gefesselten Armen gegen die Festnahme anderer Journalisten (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa  / ZUMAPRESS.com - Amr Sayed)
Ägyptische Journalisten protestieren am Welttag der Pressefreiheit 2016 gegen die Inhaftierung ihrer Kollegen. picture-alliance / dpa / ZUMAPRESS.com - Amr Sayed

Knapp 500 Internet-Seiten aus politischen Gründen gesperrt

Hinzu kommen massive Maßnahmen, die Online-Medien einzuschränken. Knapp 500 regime-kritische Internetseiten habe der ägyptische Staat inzwischen blockiert. Der Schriftsteller Alaa Al-Aswani nutzt unterdessen Twitter, um seine Meinung weiter unter das Volk zu bringen. Er hat 3,3 Millionen Follower.

Durch die Verfilmung seines Erfolgsromans „Der Jakubijan-Bau“, der auch ins Deutsche übersetzt wurde, hat Al-Aswani auch außerhalb seiner Leserschaft viele Fans gewonnen. Schon damals legte er den Finger in die ägyptische Wunde, zeigte Armut, die alltägliche Gewalt und Ägyptens korrupten Staat. Seitdem er genau das jedoch auch dem al-Sisi-Regime zum Vorwurf macht, versuche man ihn mundtot zu machen, klagt Alaa Al-Aswani. Als er im Januar zu seiner Lesereise in die USA geflogen ist, habe man ihn am Flughafen in Kairo schikaniert:

„Ich wurde am Kairoer Flughafen zwei Stunden lang völlig grundlos von der Staatssicherheitsbehörde festgehalten. Das war eine Botschaft, die mit meiner politischen Position gegen das Regime und gegen die Diktatur zu tun hat. Die Botschaft lautet: Wir sind da. Wir können Dir jederzeit Schaden zufügen. Auch wenn Du hier bekannt bist und im Ausland geschätzt, können wir mit Dir machen, was wir wollen.“

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