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75 Jahre Blake und Mortimer - zeitlose Helden, genial gezeichnet

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Mit nicht weniger als dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs startet 1946 die geniale Comic-Serie „Blake und Mortimer“. Und so ernst der Ton und so konservativ die Geschichtsphilosophie des belgischen Zeichners Edgar P. Jacob, so zeitlos sind die beiden Helden, deren Abenteuer bis heute fortgesetzt werden.

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1946 vom Dritten Weltkrieg zu erzählen, war starker Tobak

Diese Comics sind nicht komisch: Die Abenteuer von Blake und Mortimer beginnen mit der Apokalypse, mit dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs.
1946 von einem Dritten Weltkrieg, von einem „Gelben Reich“ mit der Machtzentrale Tibet zu erzählen, das war starker Tobak in Europa, das soeben noch unter dem deutschen Vernichtungswahn gelitten hatte.

Illustrationen aus „Blake und Mortimer Bibliothek 3“ (Foto: Pressestelle, 2012 – Éditions BLAKE & MORTIMER STUDIO JACOBS (DARGAUD-LOMBARD S.A.), Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020 )
Aus Blake und Mortimer Bibliothek 3 Pressestelle 2012 – Éditions BLAKE & MORTIMER STUDIO JACOBS (DARGAUD-LOMBARD S.A.), Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020

Philip Mortimer, der schottische Physiker mit dem feuerroten Vollbart, und Francis Blake, der Geheimdienst-Offizier mit dem gestutzten Gentleman-Bärtchen – diese beiden klassischen Helden ließ Jacobs das versunkene Atlantis entdeckten, durch die Zeit reisen oder den Verbrecher Olrik durch den Londoner Nebel jagen, einen Verbrecher, der übrigens ziemlich genau so aussah, wie Edgar P. Jacobs selbst.

Konservativ, aber genial gezeichnet

Konservativ waren Jacobs Helden-Reisen, aber genial gezeichnet. Seine Figuren sind detailgenau und naturalistisch und von den klaren Umrisslinien der Ligne Claire umrahmt. So nüchtern die klare Linie, so theatralisch die Gesten. Wie im Stummfilm gefriert die Action von Blake und Mortimer zur expressionistischen Pose. Aber das wird nie lächerlich, sondern gibt Mortimer, der als Wissenschaftler stets an die Zukunft glaubt und Blake, der für Königin und Vaterland sein Leben riskiert, eine dramatische Tiefe, die bis heute packend ist.

Illustrationen aus „Blake und Mortimer Bibliothek 3“ (Foto: Pressestelle, 2012 – Éditions BLAKE & MORTIMER STUDIO JACOBS (DARGAUD-LOMBARD  S.A.), © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020)
Aud dem Comic Blake und Mortimer Bibliothek 3 Pressestelle 2012 – Éditions BLAKE & MORTIMER STUDIO JACOBS (DARGAUD-LOMBARD S.A.), © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020

Comic-Altmeister Francois Schuiten gab der Serie einen neuen Dreh

Jacobs ist 1987 gestorben, aber Blake und Mortimer-Stories werden weiter gezeichnet, mittlerweile von mehreren Zeichner-Teams. Aber bislang ist es leider nur einem Zeichner gelungen, der Serie einen neuen Dreh zu geben, dem Comic-Altmeister Francois Schuiten.

Blake und Mortimer sind alt geworden, aber sie haben es wieder mit einer Katastrophe zu tun. Unter dem Brüsseler Justizpalast entdeckt Mortimer eine vorzeitliche Pyramide, die eine geheimnisvolle Strahlung um die Welt schickt. Diese Strahlung ist aber nur scheinbar katastrophal, sie bewirkt schließlich eine grüne Zukunft, in der Luftschiffe und Fahrräder die Mobilität bestimmen, Blake am Ende ein Pferd am Themse-Ufer entlangführt und eine starke junge Frau aus Ägypten den alten weißen Männern auf die Sprünge hilft.

Jacobs warnte schon Ende der 1950er-Jahre davor, das Wetter zu beeinflussen

In der Story „S.O.S. Météores“ hatte Edgar P. Jacobs schon Ende der 50er Jahre davor gewarnt, was geschieht, wenn Menschen das Wetter beeinflussen. Francois Schuiten hat nun den alten europäischen Comic-Geist von Edgar P. Jacobs fundamental erneuert. Bemerkenswert, dass diese Erneuerung vom 65 Jahre alten Francois Schuiten kommt, der in Blake und Mortimer doch noch eine zukunftsweisende Utopie entdeckt hat.

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