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Nobelpreis-Medaille

2019 gibt es zwei Literaturnobelpreise „Zwei Literaturnobelpreise sind Quatsch“

„2019 zwei Literaturnobelpreise zu vergeben halte ich für Quatsch“, sagte SWR Literaturchef Frank Hertweck im SWR2 Interview am 3. Dezember 2018. Genau das aber plant jetzt die Schwedische Akademie, die über die Vergabe des Literaturnobelpreises entscheidet. Damit soll der Skandal aus dem letzten Jahr um das Akademiemitglied Katarina Frostenson und ihren Mann Jean-Claude Arnault überwunden werden.

2019 wird das Jahr mit zwei Literaturnobelpreisen

Nach der ausgefallenen Preisverleihung im letzten Jahr, werden in diesem Jahr zwei Nobelpreise für Literatur vergebe, teilte am 5. März die Nobelstiftung mit. An der Auswahl der Kandidaten für den Literaturnobelpreis, sollen neben fünf Mitgliedern der Akademie nun auch fünf externe Gutachter mitwirken.

Unklar ist, wann das Recht auf lebenslange Mitgliedschaft in der Akademie geändert wird. Mit dem Sinologen Göran Malmqvist (94) und dem Sprachwissenschaftler Sture Allén (90) sitzen weiterhin Mitglieder in der Akademie, die im Skandal um Frostenson und Arnault äußerst unrühmliche Rollen gespielt haben.

Sara Danius hat die Schwedische Akademie verlassen

Sara Danius, die zeitweise auch ständige Sekretärin der Akademie war, hatte einen Wechsel aller Mitglieder der Akademie gefordert. Am 26. Februar hat sie die Akademie verlassen – offenbar auf Druck.

3:45 min | Mi, 27.2.2019 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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Literaturnobelpreis 2019?

Sara Danius verlässt die Schwedische Akademie

Carsten Schmiester

Im April 2018 legte Sara Danius ihr Amt als Ständige Sekretärin des Vergabegremiums für den Literaturnobelpreis auf Verlangen einer Mehrheit des 18-köpfigen Akademie nieder. Jetzt verlässt sie die Schwedische Akademie ganz – offenbar nicht ganz freiwillig.

„Zwei Literaturnobelpreise 2019 sind Quatsch“

sagte SWR Literaturchef Frank Hertweck im SWR2 Interview am 3. Dezember 2018. Genau das plant jetzt die Schwedische Akademie.

5:51 min | Mo, 3.12.2018 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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Nach dem Berufungsprozess-Urteil in Sachen Jean-Claude Arnault

Wie weiter mit dem Literaturnobelpreis?

Max Bauer im Gespräch mit SWR Literaturchef Frank Hertweck

"Wenn Jean-Claude Arnault verurteilt wird, dann wird es 2019 keinen Nobelpreis für Literatur geben", sagt Frank Hertweck, Chef der SWR2-Literaturredaktion. Dem Regisseur Arnault wird Vergewaltigung vorgeworfen, die Vorwürfe gegen ihn waren Auslöser für die Krise der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt.

Kein Literaturnobelpreis 2018

Es ist eine richtige Entscheidung, nach dem Skandal in der Schwedischen Akademie den Literaturnobelpreis 2018 nicht zu vergeben, meint SWR2 Literaturexperte Carsten Otte.


Die Vorgeschichte

Die Schwedische Akademie, genauer der oder die Vorsitzende des Gremiums, tritt ein mal im Jahr ins Rampenlicht der Weltpresse: wenn der Preisträger des Literaturnobelpreises bekanntgegeben wird. Den Preisträger bestimmen die 18 Mitglieder der Akademie in geheimer Wahl, getreu ihrem Wahlspruch nach "Talent und Geschmack". Beides haben in den letzten Wochen und Monaten einige Mitglieder der Akademie gründlich vermissen lassen.

Sexuelle Belästigung und Steuerhinterziehung

Ausgangspunkt des Skandals ist Jean Claude Arnault, der Ehemann von Katarina Frostensson, die Mitglied der Akademie ist. Arnault soll 18 Frauen aus dem Umfeld der Akademie sexuell belästigt, sieben Mal jeweils noch geheime Namen von künftigen Trägern des Literaturnobelpreises ausgeplaudert und für einen von ihm betriebenen Kulturklub Gelder der Akademie angenommen haben. Ein Versuch, Frostenson per Abstimmung aus der Akademie auszuschließen, war gescheitert. Daraufhin hatten drei Mitglieder ihre Mitarbeit für beendet erklärt, zwei weitere hatten sich zuvor schon aus anderen Gründen zurückgezogen.

Zu viel leere Stühle

Somit waren nur noch nur noch 13 der auf Lebenszeit gewählten Mitglieder entscheidungsfähig. Die 18 Plätze der Akademie sind durchnummeriert und die Mitglieder sind Inhaber eines "Stuhls".

Nach einem vertraulichen Treffen der verbliebenen aktiven Mitglieder in Stockholms Altstadt gab die bisherige und erste weibliche Vorsitzende des Gremiums, die Literaturwissenschaftlerin Sara Danius, am 12. April bekannt, sie verlasse den Posten der Ständigen Sekretärin. Dies bedeute auch, dass sie den Sitz in der Nobelpreis-Kommission verlasse, Stuhl Nummer Sieben.

Kommission ist jetzt weitgehend handlungsunfähig

Auch Stuhl Nummer 18 ist nach Angaben von Akademiedirektor Anders Olsson jetzt frei. Katarina Frostenson wirft ebenfalls das Handtuch.

Von den 18 Akademiemitgliedern sind damit zurzeit nur noch elf aktiv und das sind zu wenig, um neue zu wählen. Auch wenn das nicht für die Vergabe des Nobelpreises zu gelten scheint, ist die Institution dabei, sich selbst zu zerstören, der Ruf ist bereits weitgehend ruiniert.

Man befinde sich in einer Übergangszeit, hat Direktor Olsson erklärt, und suche nach Lösungen. Eine wäre, dass König Carl-Gustav von seinem Recht Gebrauch macht, die Statuten zu ändern, damit inaktive Mitglieder vor ihrem Tod ausscheiden können. Nur so wäre die Wahl neuer Mitglieder und damit der von vielen geforderte radikale Neubeginn der Schwedischen Akademie möglich.

König Carl Gustaf soll's richten

Der Skandal um die Schwedische Akademie waberte schon lange immer mal wieder durch die Medien, aber nach dem lauten Abgang der drei Stühle Nummer 10, 11 und 16 war er nicht länger kleinzuhalten. Als solche, als Stuhlnummern, sind deren „Inhaber“, die Akademiemitglieder Peter Englund, Klas Östergren und Kjell Espmark, nationale Berühmtheiten. Jetzt ist der Krach um das 1786 gegründete, alte, aber offenbar nicht so ehrwürdige Gremium Chefsache. König Carl Gustaf will, eher „muss“ die Wogen glätten.

Die Akademie sei eine unglaublich wichtige Institution für Schweden, für die Kulturwelt und nicht zuletzt für die Vergabe des Nobelpreises, sagt König Carl Gustaf:
„Deshalb wollen wir das auf bestmögliche Art und Weise für alle Beteiligten lösen. Über Nacht wird es nicht gehen, aber ich sehe Möglichkeiten. Probleme sind schließlich dazu da, dass man sie löst!“

Gibt es einen Ausweg? Wenn, dann nur diesen, sagte Ingrid Elam, Literaturkritikerin beim öffentlichen Sender SVT: „Man müsste etwas Radikales machen. Wie sollen sie denn die Glaubwürdigkeit zurückbekommen? Eine Möglichkeit wäre es, bei null anzufangen.“

Schlammschlacht und öffentliches „Schmutzige Wäsche waschen“

Aber so weit sind die Damen und Herren noch nicht. Ex-Akademiechef Horace Engdahl betrieb nun erfolgreich die Absetzung der bisherigen Ständigen Sekretärin Sara Danius. Gunnar Bohlin, Kulturjournalist im schwedischen Radio, hat so eine Schlammschlacht noch nicht erlebt: „Engdahl gewinnt damit vorläufig den ersten Preis im öffentlichen "Schmutzigewäschewaschen“.


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