Hörspiel

„15:14“ – Interaktives Hörspiel macht die Zusammenarbeit von NS-Tätern und -Opfern bei der Stuttgarter Kriminalpolizei erfahrbar

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Die Vorstellung von der berühmten „Stunde Null“ ist eine Illusion.

Deutschland 1945. Das politische System, Wirtschaft, Verwaltung werden unter Aufsicht der Siegermächte neu aufgebaut. Im ehemaligen Stuttgarter Gestapo-Quartier im „Hotel Silber“ zieht die Kriminalpolizei ein.

Doch die Vorstellung von der berühmten „Stunde Null“ ist eine Illusion. Das zeigt das interaktive Hörspiel „15:14“ vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Dabei geht es um 15 ehemalige NS-Opfer und 14 ehemalige NS-Täter, die bei der Stuttgarter Kripo Tür an Tür zusammengearbeitet haben.

Karl Dobritz, ehemaliger Beamter der Kriminalpolizei und der Gestapo (Foto: Pressestelle, Haus der Geschichte Baden-Württemberg)
Karl Dobritz, ehemaliger Beamter der Kriminalpolizei und der Gestapo Pressestelle Haus der Geschichte Baden-Württemberg

„Stuttgart, den 12. Januar 1946 . Gesuch um Wiederverwendung bei der Städtischen Kriminalpolizei. Ich bewerbe mich hiermit erneut um Wiedereinstellung im Kriminaldienst beim Polizeipräsidium der Stadt Stuttgart“

Etliche solcher Bewerbungsschreiben gehen ab Sommer 1945 bei der Stuttgarter Kriminalpolizei ein. Die Behörde ist praktisch aufgelöst, nachdem die amerikanische Militärregierung viele NS-belastete Beamten entlassen hat. Die Briefe liegen heute in der Ausstellung im Hotel Silber. Mit dem Hörspiel 15:14 werden diese Texte zum Sprechen, gebracht.

Trailer des Hörspiels:

Die NS-Zeit wirkte auch in der neuen Kriminalpolizei nach

Dass Verfolgte und Verfolger nach 1945 Tür an Tür in der neuen Kriminalpolizei gearbeitet haben, habe mal funktioniert und dann wieder gar nicht, meint Friedemann Rincke, Kurator der Ausstellung im „Hotel Silber“: „Wir haben Beispiele gefunden, dass sich ehemalige Verfolgte und Verfolger nicht nur arrangierten, sondern eng zusammenarbeiteten. Wir haben aber auch andere Beispiele gefunden, wo es krachte. Wo dienstliche Konflikte übertragen wurden in die frühere Auseinandersetzung, die sich natürlich in die Nachkriegszeit und Bundesrepublik übertragen hat.“

Das spannende vielstimmige Hörspiel erzählt aus wechselnden Perspektiven. Eine „gute Möglichkeit, die Akten in kammerszenenartigen Situation lebendig werden zu lassen“, meint Kunststaatssekretärin Petra Olschowski.

Erinnerung an Gestapo-Terror in Stuttgart NS-Gedenkstätte „Hotel Silber“

Im ehemaligen Sitz der Gestapo in Stuttgart, dem „Hotel Silber“, eröffnet nach einem langen Kampf um den Erhalt des Gebäudes eine beeindruckende Gedenk- und Erinnerungsstätte.  mehr...

Gespräch „Documenta. Politik und Kunst“: Die verschwiegenen Verstrickungen der Kunstwelt in die NS-Zeit

Die Ausstellung „Documenta. Politik und Kunst“ zeigt zum ersten Mal anhand der Geschichte der documenta, wie schwer sich die deutsche Kunstgeschichte getan hat, ihre Verstrickungen in die NS-Zeit aufzuarbeiten.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Kunst Stellt sich das Stuttgarter Graevenitz-Museum der NS-Vergangenheit des Bildhauers Fritz von Graevenitz?

Der Bildhauer Fritz von Graevenitz war Auftragskünstler und Direktor der Stuttgarter Kunstakademie. Als Mitglied in der Reichskulturkammer schuf er verschiedene, damals prestigeträchtige Werke der NS-Zeit: den monumentalen Adler von Königsberg oder eine Hitler-Büste. Im Stuttgarter Graevenitz-Museum ist diese Zeit bislang nicht sichtbar.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Vergessene jüdische Architekten: „Oscar Bloch& Ernst Guggenheimer“ im Stadtarchiv Stuttgart

Anlässlich des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zeigt das Stadtarchiv Stuttgart eine Ausstellung über zwei jüdische Architekten, die vor allem in Stuttgart ihre Spuren hinterlassen haben : Ernst Guggenheimer und der Schweizer Oscar Bloch. 1909 gründeten sie in Stuttgart das Architekturbüro „Bloch & Guggenheimer“.Der Bau eines jüdischen Waisenhauses in Esslingen, von der jüdischen Community 1911 in Auftrag gegeben, machte sie bekannt.Der eigentliche Durchbruch kam aber, so der Leiter des Stuttgarter Stadtarchivs Roland Müller, mit dem Bau der Villa Levi in Stuttgart,ein neoklassizistischer Bau. Nach 1933 wurden beide von der Reichskulturkammer ausgeschlossen .Nach dem Novemberpogrom 1938 musste Guggenheimer am Zwangsabriss der ausgebrannten Alten Synagoge mitarbeiten. Aber er konnte später die neue Synagoge an derselben Stelle errichten.Die Ausstellung zeigt Leben und Werk der zwei Architekten,aber auch das Schicksal der jüdischen Bauherren in Stuttgart während der NS- Zeit.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Linientreue Kunst: Kurator Wolfgang Brauneis über die „Die Liste der Gottbegnadeten“

Die Liste der Gottbegnadeten: Sie versammelte in der NS-Zeit die Künstler, die vom Militärdienst befreit waren, weil sie als unabkömmlich für den NS-Staat galten. Aber waren sie wirklich künstlerisch erfolgreich oder einfach nur linientreu? Eine Mischung aus beidem, meint Wolfgang Brauneis, Kurator der Ausstellung „Die Liste der 'Gottbegnadeten'. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“. Das Deutsche Historische Museum in Berlin hat den durch die Nationalsozialisten deklarierten „gottbegnadeten“ Künstlern der Bildenden Kunst eine Ausstellung gewidmet.
Viele Namen, so Brauneis, seien heute selbst unter Kunstexperten kaum noch von Begriff. Trotz allem gelang vielen der Künstler auch nach 1945 das Fortsetzen ihres Schaffens. „Sie konnten sich auf bereits bestehende Netzwerke verlassen“, so der Kunsthistoriker. Viele Architekten seien hilfreich für bildhauerische Arbeiten gewesen. Und einige Jurymitglieder der Kunstwettbewerbe hingen nach dem Krieg, so Brauneis, ihrerseits noch dem alten Kunstgeschmack an. Zudem habe eine Anpassung an den neuen Kunstgeschmack unter den Künstlern nur bedingt stattgefunden.
Er plädiert für eine kritische Auseinandersetzung mit den Kunstgegenständen nach 1945. Dieser Aufgaben will die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum nachkommen.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

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