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150. Geburtstag von Marcel Proust: Der Wahrnehmungserforscher der Moderne

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INTERVIEW

Am 10. Juli jährt sich der Geburtstag des Schriftstellers Marcel Proust zum 150. Mal. Sein Riesenroman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist ein Grundpfeiler der literarischen Moderne – und wegen seines Umfangs der große Angstgegner vieler Leser. „In diesen Roman wird man reingesogen oder auch ausgespuckt. Proust ist in gewisser Weise höflich. Man merkt das sehr schnell, ob man dieses Buch mag oder nicht", meint der Literaturkritiker Lothar Müller im Gespräch mit SWR2.

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Marcel Prousts Vater war einer der wichtigsten französischen Epidemiologen seiner Zeit

Müller ist überzeugt, dass man das Werk von Marcel Proust durch die Beschäftigung mit dessen Vater, Adrien Proust, noch einmal neu entdecken kann. Über Adrien, einen der wichtigsten französischen Epidemiologen des 19. Jahrhunderts, hat Müller zuletzt ein Buch veröffentlicht.

In Prousts Romanen steckt mehr gesellschaftliche Analyse als gemeinhin angenommen

Den Sohn, Marcel, habe er selbst lange mit der Belle Epoque assoziiert, sagt Müller. Hohe Kunst, Dandys und Salongespräche. Über die Beschäftigung mit dem Vater komme man aber der Realität der Dritten Republik in den Romanen Prousts näher.

Denn in diesen stecke mehr gesellschaftliche Analyse als gemeinhin angenommen: Die an der Dreyfus-Affäre sichtbar gewordene Spaltung der Gesellschaft oder die Bombardierung von Paris im Ersten Weltkrieg etwa.

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ - eine sehr gute Nebenbei-Lektüre

Und allen, die noch vor der Lektüre zurückscheuen, empfiehlt Müller: „‘Auf der Suche nach der verlorenen Zeit‘ eignet sich als Pflichtlektüre überhaupt nicht, aber sehr gut als Nebenbei-Lektüre, gerade weil das Buch so dick ist. In der Regel kann sich niemand so viel Zeit freischaufeln, dass er das am Stück liest. Es ist ein wunderbar begleitender, manchmal lebens-begleitender Roman“, so Lothar Müller.

Schecks Bücher | Folge 76 Marcel Proust: "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"

Wir kommen nicht als Menschen zur Welt - wir müssen uns zu solchen entwickeln." So Denis Scheck, und er weiß auch wie: Indem wir Marcel Proust lesen! Mit Hilfe von Prousts siebenbändigem Zyklus können wir unser Ich erforschen.  mehr...

SWR2 lesenswert Kritik Zum 150. Geburtstag von Marcel Proust - Saul Friedländer: Proust lesen. Ein Essay

Zum 150. Geburtstag von Marcel Proust legt der renommierte Holocaust-Historiker Saul Friedländer sein höchstpersönliches "Close Reading" von dessen Hauptwerk vor: Auf der Suche nach den Widersprüchen in "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" lautet die Devise des Bandes, der eine Fülle interessanter Beobachtungen bietet.

C. H. Beck Verlag, 210 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-406-75511-8  mehr...

SWR2 lesenswert Kritik SWR2

Buchktitik Zum 150. Geburtstag von Marcel Proust - Proust-Empfehlungen

Marcel Prousts Geburtstag jährt sich am 10. Juli zum 150. Mal. Er hat einen der längsten Romane der Welt geschrieben: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hat über 4.000 Seiten. Und trotzdem ist das Buch eines der berühmtesten der Weltliteratur. Vielleicht weil er sich erfolgreich sperrt gegen die Zumutungen der Digitalisierung. Jetzt erscheinen Bücher, die die Annäherung leichter machen.
Rezension von Alexander Wasner.
Céleste Albaret - Monsieur Proust
Die Erinnerungen seiner Haushälterin
Aufgezeichnet von Georges Belmont
Mit einem Vorwort von André Aciman
Aus dem Französischen von Margaret Carroux
Gatsby Verlag, 540 Seiten, 34 Euro
ISBN 978 3 311 24014 3
und
Marcel Proust - Der geheimnisvolle Briefschreiber
Frühe Erzählungen
Herausgegeben von Luc Fraisse
Aus dem Französischen von Bernd Schwibs
Suhrkamp Verlag, 174 Seiten, 28 Euro
ISBN 978-3-518-42972-3  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Diskussion Sehnsucht und Begehren – Der Weltliterat Marcel Proust

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ hat über 4000 Seiten. Worum es geht, kann einem keiner erklären. Trotzdem zieht das Buch seine Leser in den Bann. Denn Proust hält in Zeitlupe fest, was die sozialen Medien im Geschwindigkeitsrausch bloß versprechen: Klatschgeschichten, große Gefühle, Begehren und Idylle. Und genauer, als ein Algorithmus das je könnte, beschreibt er in diesem Setting, was uns heute beschäftigt: Homosexualität, Klassismus, Social Distancing. Vor 150 Jahren wurde Marcel Proust geboren. Sein Werk ist Weltliteratur. Alexander Wasner diskutiert mit Dr. Rainer Moritz - Leiter des Literaturhauses Hamburg, Ijoma Mangold - Kulturjournalist, DIE ZEIT, Prof. Dr. Ulrike Sprenger - Romanistin, Universität Konstanz  mehr...

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Musikmarkt: Buch-Tipp Über Marcel Proust und Reynaldo Hahn - Lorenza Foschini: „Und der Wind weht durch unsere Seelen“

Bekannt ist er vor allem als Schriftsteller, doch seine Liebe galt ein Leben lang auch der Musik. Am 10. Juli 2021 wäre Marcel Proust 150 Jahre alt geworden.
Wesentlich zu seinen Musikkenntnissen beigetragen hat der Komponist Reynaldo Hahn – doch beide verband nicht nur eine Leidenschaft für die Musik, sondern auch füreinander.
Die italienische Autorin Lorenza Foschini erzählt in ihrem neuen Buch eine Geschichte von Glück, Eifersucht und Verzicht.
Christoph Vratz hat den neuen Band gelesen.
Christoph Vratz hat den neuen Band gelesen.  mehr...

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