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Linda Zervakis in SWR2 über ihr Leben und ihre Karriere Vom Kiosk in die Tagesschau

Sprecherin der Tagesschau zu sein, hat für Linda Zervakis noch heute "etwas Tolles, Wahnsinniges", erzählt sie im SWR2 Interview. Als Mädchen hat sie im Kiosk der griechischen Eltern in Hamburg-Harburg Süßigkeiten verkauft. Über diese Zeit hat sie auch ein Buch geschrieben: "Die Königin der bunten Tüte". Daraus liest sie Ende September beim Literatur Festival Eifel in Daun.

10 Millionen Zuschauer - dafür reicht meine Phantasie nicht aus

Zehn Millionen Zuschauer sitzen um 20 Uhr vor dem Fernseher, wenn Linda Zervakis die Tagesschau moderiert: "Das ist Gott sei Dank so viel - da reicht meine Phantasie nicht aus, um mir das vorzustellen, das ist ganz gut." Sie selbst sei mit der tagesschau groß geworden. Die sei für sie eine feste Institution.

Linda Zervakis war die Fernsehkarriere nicht in die Wiege gelegt. Als Tochter griechischer Einwanderer hat sie in Hamburg-Harburg ihren Eltern früh im Kiosk ausgeholfen. Lindaki, "klein Lindchen", wurde sie damals von ihrer Familie genannt. Über diese Zeit hat die Moderatorin auch ein Buch geschrieben: "Die Königin der bunten Tüte".

Die Königin der bunten Tüte

"Königin der bunten Tüte deshalb", so Linda Zervakis, "weil ich auf dem Gymnasium irgendwann gemerkt habe, dass ich nicht so richtig viele kenne. Ich musste mich quasi einschleimen und habe dann nachmittags bunte Tüten mit Süßigkeiten gepackt und die in der Schulpause verteilt. Und siehe da: dieser billige Trick ist aufgegangen, ich hatte eine relativ angenehme Schulzeit."

Beim bundesweiten Vorlesetag im Oktober 2017 liest tagesschau-Moderatorin Linda Zervakis in einer Hamburger Grundschule vor.

Beim bundesweiten Vorlesetag im Oktober 2017 liest Linda Zervakis in einer Hamburger Grundschule vor.

Salinos, Brezeln und Pommesstreifen

Ziemlich genau erinnert sie sich deshalb an Fünf- und Zehn-Pfennig-Süßigkeiten in Plastikboxen, an Salinos, Brezeln und Pommesstreifen. Am Kiosk in Harburg sei es zugegangen wie auf dem Postamt. "Der steinreiche Hanseat" kam dort ebenso hin "wie der Arbeitslose, der seine Stütze gleich am Monatsanfang verflüssigt hat".

"Uns ging es dabei immer gut", sagt Linda Zervakis über den Alltag ihrer Familie. Ihre Eltern hätten Wert darauf gelegt, dass sie in Deutschland zu Gast seien, also auch die gesellschaftlichen Regeln akzeptieren müssten. Dank einer deutschen Tagesmutter habe sie selbst ohnehin besser Deutsch als Griechisch gesprochen. "Wir waren komplett integriert, da gab es nie Probleme."

Für die Familie auf das Studium verzichtet

Manches ist wohl auch nicht ganz so einfach gewesen. Das deutet Linda Zervakis nur an. Eigentlich habe sie gerne nach der Schule "wie allen anderen flügge" werden wollen. "Ich hätte gerne auch studiert, hatte einen Studienplatz in Berlin für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Ich wusste aber: in dem Moment, wo ich Hamburg verlasse, kann meine Mutter den Laden nicht mehr halten - und das war ihre Existenzgrundlage."

Weil der ältere Bruder bereits studierte, der jüngere noch zur Schule ging, hat Linda Zervakis dann auf ihr Studium verzichtet. "Ich musste mir einen anderen Plan ausdenken, ich habe einfach zurückgesteckt für die Familie." Ob das in ihrer Situation jeder getan hätte?

Über Werbeagentur und Radio zum Fernsehen

Statt dessen ging Linda Zervakis als Praktikantin in eine Werbeagentur. Über die Arbeit beim Radio führte dann der Weg zum Jugendsender des NDR, N-JOY - und schließlich das Casting für eine Stelle als Nachrichtensprecherin beim NDR Fernsehen.


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Im Programm

Franz Liszt:
Fantasie über ungarische Volksmelodien S 123
Nareh Arghamanyan (Klavier)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Alain Altinoglu
Johann Gottlieb Graun:
Konzert a-Moll
Akademie für Alte Musik Berlin
Wladyslaw Szpilman:
Concertino
Ewa Kupiec (Klavier)
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: John Axelrod
Peter Tschaikowsky:
"Manfred"-Sinfonie op. 58
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Vasily Petrenko

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