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Zaunkönig mit Nistmaterial im Schnabel

Variationsreiche Beziehungen Das Liebesleben der Vögel

Im Frühjahr ist Paarungszeit. Und obwohl es bei allen nur ums eine geht, gibt es im Vogelreich mehr Beziehungsmodelle als der Mensch sich vorstellen kann.

Überall fangen die Vögel wieder an zu singen, Nester zu bauen, zu begatten und zu brüten. Über das Leben der Vögel wissen wir schon sehr viel, sagt Ornithologe Ernst Paul Dörfler. So gibt es bei Vögeln mehr Beziehungsmodelle als sich der Mensch vorstellen kann.

Also alle führen ein anderes Liebesleben?

"Ja natürlich," lacht er. "Wir haben das alles standardisiert in der Menschenwelt!"

Ernst Paul Dörfler

Der Ornithologe Ernst Paul Dörfler weiß über das Liebesleben von Vögeln Bescheid.

Vogelfrei

Fangen wir mit dem Grundsätzlichen an. Die meisten Singvögel führen Saisonehen. Dörfler sagt, Zweckehen. Ist der Nachwuchs aus dem Nest, ist es vorbei mit der Liebe. Männchen und Weibchen gehen wieder eigene Wege.

"Ansonsten führen sie ein recht freies Dasein, also in unseren Augen natürlich. Sie unterliegen ja auch den natürlichen Zwängen, müssen sich um Nahrung kümmern, aber jeder ist für sich selbst zuständig, es gibt dann keine Versorgung mehr, oder Schutz durch den Partner."

Alimente zahlen Vögel also nicht? Sie kommen nicht für den Partner auf, wenn er nicht so gut für sich selber sorgen kann?

"Nein, das ist in der Vogelwelt noch nicht erfunden worden. Ist auch schwer einklagbar und in welcher Währung sollen die Alimente gezahlt werden?"

Vielleicht in Sonnenblumenkernen?

"Das wird erst im März interessant. Im März kann man beobachten wie die Grünfinkenmännchen die potentiellen Weibchen mit Sonnenblumenkernen verwöhnen und sie damit locken. Aber im Winter passiert das nicht, sondern erst dann, wenn die Paarung ansteht."

Der Grünfink ist berechnend. Er investiert nur in ein Weibchen, wenn er sich Nachwuchs erhofft. Bei Tieren ist das völlig normal, sagt Dörfler.


Querbeet

Und Paarbeziehungen, wie viele Menschen sie führen, sind bei Singvögeln die absolute Ausnahme?

"Bei den Singvögeln machen es die Schwanzmeisen und die Sumpfmeisen eher so wie die Menschen. Wenn die Jungen groß sind und flügge sind, bleibt die Familie trotzdem zusammen. Die Familienbande hält."

Und warum machen die das?

"Wie bei den Menschen auch – die Eltern wissen besser Bescheid, wie man den Winter übersteht und deswegen lassen sie zu, dass der Nachwuchs mit ihnen durch die Landschaft zieht um die besten Futterplätze zu finden."

Andere Extreme sind Mischehen. Zwei Vögel ganz unterschiedlicher Art, paaren sich. Dörfler erzählt:

"Ein Stockenten-Weibchen hat sich in ein Mandarinenten-Männchen verknallt. Das ist ein Pärchen geworden, völlig unzertrennlich, putzen sich voreinander, machen sich voreinander schön."

Vögel sind also offen für alles. Auch für das gleichgeschlechtliche Beziehungsmodell. Das sei bei Vögeln völlig normal. Auch in dem Fall machen die Enten von sich reden.

"Entenweibchen plus Entenweibchen bilden ein Paar und lassen sich von einem Entenmännchen begatten. Dafür stehen die Entenmännchen gerne zur Verfügung. Die Weibchen bauen gemeinsam ein Nest und legen ihre Eier gemeinsam in dieses eine Nest und brüten abwechselnd und führen auch die Jungen gemeinsam aus. Also eigentlich eine sehr sinnvolle Beziehung, die Männchen werden nicht mehr gebraucht, außer zur Befruchtung."

Beziehungen sind unzweckmäßig

Doch es gibt auch bei den Vögeln Beziehungsmodelle, die die Weibchen abschrecken sollten. Beispiel Zilpzalp – ein Singvogel.

"Dieser unscheinbare Vogel singt immer nur zilpzalp. Kennt jeder. Und das Weibchen baut allein das Nest. Das Weibchen legt auch allein die Eier. Und das Männchen? Singt immer nur zilpzalp. Das Weibchen brütet ganz allein, ohne abgelöst zu werden. Und wenn dann die Jungen schlüpfen, muss das Weibchen Futter heran schaffen. Erst später entschließt sich das Männchen mit zu helfen. Bis auf das Singen und das befruchten macht das Männchen kaum etwas in dieser Beziehung. Ist eine sehr einseitige Lastenverteilung."

Und sind das Beziehungen, die immer wieder kehren, oder sucht sich das Weibchen immer einen anderen faulen Vogel?

"Ja also bei den Singvögeln ist es so, dass man sich nach Ende der Brutzeit trennt und dann dauert es ein halbes Jahr bis zum nächsten Frühjahr und dann muss man erst mal gucken wer überhaupt überlebt hat. Die Lebenswartung ist bei den Singvögeln ja sehr gering und es ist einfach zweckmäßig, keine zu feste Beziehung zu haben, sondern offen zu sein für neue Beziehungen und dann wird im Frühjahr neu gewählt, je nachdem was im Angebot ist."

Im Programm

Jean Sibelius, Kalevi Aho:
Scherzo für Violine, Violoncello und Klavier zu 4 Händen e-Moll
Jaakko Kuusisto (Violine)
Taneli Turunen (Violoncello)
Peter Lönnquist, Folke Gräsbeck (Klavier)
Antonio Vivaldi:
Konzert für Laute, 2 Violinen und Basso continuo D-Dur RV 93
Rolf Lislevand (Laute)
und Ensemble
Bernhard Henrik Crusell:
Introduktion und Variationen für Klarinette und Orchester über ein schwedisches Lied op. 12
Thea King (Klarinette)
London Symphony Orchestra
Leitung: Alun Francis
Franz Schubert:
Rondo für Klavier zu 4 Händen D-Dur D 608
Maria João Pires, Hüseyin Sermet (Klavier)
Dmitrij Schostakowitsch:
2 Sätze aus der Suite für Jazz-Orchester Nr. 2 op. 27a
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Rumon Gamba

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