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CDU/CSU und SPD nach den Landtagswahlen in Bayern Letzter Hoffnungsanker in Hessen

Kommentar von Rainer Volk

Die Bayern haben CSU und SPD abgewatscht. Auch Kanzlerin Merkel sieht einen Vertrauensverlust. Wankt jetzt die Große Koalition? Geht es bei der Landtagswahl in Hessen schon um die Regierungsfähigkeit im Bund, wie manche Beobachter befürchten? Es liegt jetzt an den düpierten Volksparteien, Vertrauen wiederherzustellen. Im vergleichsweise ruhigen Hessen stehen die Chancen nicht schlecht, dass ihnen dies gelingen könnte, so Rainer Volk in seiner SWR2 Meinung.

Die AfD ist längst nicht dort gelandet, wo sie hinwollte

Das Gute zuerst: Die AfD ist in Bayern bei weitem nicht da gelandet wo sie sich hingeträumt hatte. Viertstärkste Fraktion im Landtag in München – das heißt: fünf Jahre hartes Oppositionsbrot.

Die interessante Frage ist, weshalb es nicht besser kam für die Rechtspopulisten, deren Widersprüche und interne Querelen ja anderswo kein Hindernis waren für Erfolge in den Wahlkabinen.

Die Freien Wähler - eine Alternative zu CSU-Hitzköpfen

Die Antwort? Es gab in Form der „Freien Wähler“ des wendigen Hubert Aiwanger eine Art Rettungssteg. Aiwanger hatte seinen Laden nicht als weiß-blaue AfD aufgestellt. Er ersparte den CSU-müden Bayerinnen und Bayern so den großen Absprung an den rechten Rand.

Ihnen genügten einige kleine Schritte, um sich abzusetzen. Denn – und das vergaßen Markus Söder und Horst Seehofer im Wahlkampf allzu lange: Bayern ist auch ein Land des „Leben-und-Leben-Lassens“.

„Asyltourismus“, „Kontrollverlust“? Da langen sich Bayern an den Kopf

Wenn in Landgemeinden grosso modo die Integration von Migranten gelingt, dann langen sich die Menschen bei Parolen wie „Asyltourismus“ und „Kontrollverlust“ an den Kopf – und wenden sich den eigentlichen Problemen zu.

Die liegen beim rasanten Wandel der Welt hin zur globalen Digitalität, was gewaltige Veränderungen beim täglichen Broterwerb, beim Zusammenleben und der Zukunftsplanung verlangt.

CSU und SPD nur noch in ihren Kernmilieus erfolgreich

Aiwanger ist da konservativ – aber kein Ideologe. Er will mehr Rücksicht für ländliche Gegenden, will mehr Biobauern statt Massentier-Züchtung. Das kam - betrachtet man die Wähler-Entscheidung nach Berufsqualifikation - bei allen Gruppen (außer den Hochschulabsolventen) sehr gut an.

Die beiden Traditions-Parteien CSU und SPD haben hingegen in allen Kategorien verloren – egal, wie man die Gruppen soziologisch dreht und sortiert. Sie sind reduziert worden auf ihre Kern-Milieus.

Sozialdemokraten: zweistellig nur noch bei Ü60-Arbeitern

Die SPD liegt nur noch bei Arbeitern über 60 Jahren im zweistelligen Bereich. In den anderen sozialen Gruppen ist sie kurz davor als Eigenbrötler-Sekte wahrgenommen zu werden.

Soweit ist es bei der CSU zwar noch nicht: Aber auch hier ist der Glaubwürdigkeitsverlust ob des ewigen Schwadronierens gewaltig. Ein paar Demutsformeln murmeln am Wahlabend – das wird nicht genügen. Es bräuchte stattdessen anhaltende Zuverlässigkeit.

Für die SPD sind Belegschaften wichtig - nicht die Manager

Wahlforscher können belegen, dass etwa 60 Prozent der Wählerschaft eher konservativ eingestellt sind: Sie wollen möglichst viel von dem erhalten, was sie als gut und erhaltenswert ansehen. Sie wissen aber auch: In Zeiten gewaltiger Umbrüche wird das nicht 100-prozentig erfüllbar sein.

Also gilt es, das Umsteuern zu schaffen, ohne Vertrauen zu verlieren. Für die SPD hieße das: Die Belegschaft großer Konzerne ist wichtiger als deren tricksendes Management.

Für die CSU sind christliche Bürger wichtig - nicht der rechte Rand

Und für die Union: Das christliche Kleinbürgertum kommt vor dem rechten Rand. Anders gesagt: Es kommt darauf an, möglichst große Schnittmengen zu erzeugen. Vielleicht zeigt schon die Wahl in Hessen am übernächsten Wochenende, was an dieser These dran ist.

Volker Bouffier von der CDU und der grüne Tarik-al-Wazir haben in Wiesbaden eine bemerkenswert stabile Koalition geführt. Torsten Schäfer-Gümbel war ein präsenter Oppositionschef für die SPD.

Sollten die Wähler dies ähnlich sehen und belohnen, dann werden sich Politik und Öffentlichkeit beruhigen. Schlecht ist das nur für die, die von der Aufregung leben.

Im Programm

Mit Martin Hagen
Carlos Chávez:
Sinfonie Nr. 2 „Sinfonía India“
The Orchestra of the Americas
Leitung: Carlos Miguel Prieto
Traditional:
"Kalimanku, Denku"
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Cosmic Voices
"Sofia Soloists" Kammerorchester
Leitung: Tzanko Dimitrov Delibozov
Wolfgang Amadeus Mozart:
"La Clemenza di Tito" Arie des Sesto (2. Akt)
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Staatskapelle Dresden
Leitung: Colin Davis
Henriette Renie:
Harfenkonzert c-Moll
Xavier de Maistre (Harfe)
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Hugh Wolff
Franz Schubert:
Rondo h-Moll D 895 op. 70 "Rondeau brillant"
Isabelle Faust (Violine)
Alexander Melnikov (Klavier)
Georg Philipp Telemann:
Ouvertüre D-Dur
Akademie für Alte Musik Berlin

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