Gesellschaft

Zu wenig Personal: Der Denkmalbestand in Stuttgart kann nicht überwacht werden

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Cordelia Marsch

1200 Objekte muss jede*r Vollzeitmitarbeitende der Unteren Denkmalschutzbehörde in Stuttgart betreuen. Zu viel, um allen Aufgaben gerecht werden zu können, sagt Ellen Pietrus, Sachgebietsleiterin der Behörde.

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Die Akten der rund 4500 Kultur-Denkmale in Stuttgart sind nicht digitalisiert

Baustellenbesuche fänden zu selten statt und die Überwachung des Denkmalbestandes könne nicht gewährleistet werden. Auch in anderen Städten Baden-Württembergs gibt es zu wenig Personal in den Unteren Denkmalschutzbehörden.

Ellen Pietrus, die Sachgebietsleiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde, öffnet eine der acht Schubladen, in denen die insgesamt 4500 Kultur-Denkmale Stuttgarts fein säuberlich aufgeklebt und mit einer kurzen Beschreibung auf grauen Karteikarten schlummern.

Neben und hinter Pietrus lagern in deckenhohen Regalen tausende bunte Aktenordner mit ausführlichen Infos und Unterlagen zu jedem der denkmalsgeschützten Gebäude. Die Akten, die im Übrigen alle noch nicht digitalisiert wurden, sind täglich im Gebrauch.

Ellen Pietrus, Unterer Denkmalschutz (Foto: SWR, Cordelia Marsch)
Die Markthalle in der Stuttgarter Innenstadt, katalogisiert auf Karteikarten, ist das Lieblingsdenkmal von Ellen Pietrus in Stuttgart. Cordelia Marsch

Die Stadt genehmigt kein zusätzliches Personal

Pietrus ist für Stuttgart-Mitte zuständig. 800 Gebäude betreut sie zusätzlich zur Sachgebietsleitung. In ihren Bereich fallen auch Denkmale wie die Oper, das Neue und das Alte Schloss. Denn die Untere Denkmalschutzbehörde ist sowohl für Privateigentum und Kirchen zuständig als auch für Landesobjekte. Nicht aber für die eigenen städtischen Objekte.

Pietrus kämpft schon seit längerem für mehr Personal in ihrer Abteilung. Bislang erfolglos. Die Stadt genehmigt keine zusätzlichen Stellen. Das Problem: Ein Vollzeitmitarbeiter betreut 1200 Denkmale in Stuttgart. Zu viele, um den Aufgaben gerecht werden zu können, sagt Pietrus.

Der Hauptaufgabe Denkmalpflege lässt sich aufgrund der Personallage kaum nachkommen

„Für uns wäre es dringend erforderlich, dass wir personell soweit aufgestockt werden würden, dass wir zumindest auch das, was im Denkmalschutzgesetz Paragraph eins steht, nämlich dass unsere Hauptaufgabe ist, die Denkmale zu pflegen und vor allen Dingen auch die Denkmalbestand zu überwachen. Dass wir das konsequenter und auch kontinuierlicher wahrnehmen können.“

Derzeit kann aber nur die gerade anstehende Arbeit erledigt werden: „Wir können zum Beispiel auch bei laufenden Baumaßnahmen auf die Baustellen nur immer mal wieder in größeren Abständen gehen. Das kann immer mal passieren, dass auf einer Baustelle dann was läuft, was nicht abgestimmt ist, was dann so eine Eigendynamik entwickelt. Um es klar zu sagen: Das sehe ich als Problem an, ja.“

Oder aber: Die Denkmalschützer kriegen erst gar nicht Wind von unrechtmäßigen Umbauten. Und wenn sie dann doch etwas erfahren, bindet das viel Arbeitskraft.

Nicht nur in Stuttgart ist der Denkmalschutz unterbesetzt

Stuttgart steht unseren Recherchen nach mit der dünnen Personaldecke nicht alleine da in Baden-Württemberg. So ist etwa in Baden-Baden nur eine Person für den Denkmalschutz zuständig und muss alleine 1500 Objekte betreuen. In Karlsruhe betreuen insgesamt vier Menschen die rund 5500 Denkmale. Die Arbeit nimmt stetig zu, teilt uns die Pressestelle schriftlich mit.

Abgesehen von sehr viel Arbeit für wenige Personen – was ist die größte Herausforderung für die leidenschaftliche Denkmalschützerin? „Den Eigentümern nahebringen, warum das Objekt jetzt Kulturdenkmal ist. Warum es sich als solches auszeichnet, warum es sich aus anderen Gebäuden hervorhebt und dieses, ich sage mal wirklich, Vermitteln der Denkmalwerte, das ist unser ganz elementares Geschäft. Und das ist auch jeden Tag wieder aufs Neue die Herausforderung“ sagt Ellen Pietrus.

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