Tagesgespräch

Zentralrat der Jesiden in Deutschland zur Anerkennung des Genozids durch den Bundestag: "Es ist ein historischer Tag“

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Gerhard Leitner

"Heute ist ein historischer Tag", sagt die Präsidentin des Zentralrats der Jesiden in Deutschland – und meint die heutige Entscheidung des Bundestags. Der Bundestag hatte kurz zuvor entschieden, die Verbrechen des so genannten Islamischen Staates an Jesidinnen und Jesiden als Völkermord anzuerkennen.

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Im SWR2 Tagesgespräch sagte Zemfira Dlovani: „Wir hatten hoffnungsvoll darauf geschaut, auf diesen Tag gewartet, und nun ist es endlich so weit.“ Es sei eine Genugtuung und gleichzeitig auch eine wichtige Voraussetzung zur Aufarbeitung der Verbrechen, so Dlovani weiter.

Die Anerkennung des Genozids durch den Bundestag sei außerdem wichtig, weil in Deutschland der größte Teil der jesidischen Flüchtlinge in Europa lebe und Deutschland zudem ein international einflussreiches Land sei, dass Druck auf die irakische Regierung ausüben könne. Denn eine Rückkehr in die Heimat sei immer noch lebensgefährlich. Eben das wünschten sich aber viele der Flüchtlinge.

Zustand der Flüchtlingscamps in der Türkei und Syrien unerträglich

Zudem machte Dlovani auf das Schicksal geflüchteter Jesiden in der Türkei und Syrien aufmerksam: "Die Umstände, unter denen diese Menschen dort leben, sind nicht weiter erträglich und nicht hinnehmbar, und wir wollen das auch nicht mehr", so Dlovani.

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