Gespräch

Yasmine M'Barek: Klimaschutz wichtigster Grund für Jüngere, Grüne oder FDP zu wählen

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Klimaschutz sei für junge Leute einer der wichtigsten Beweggründe gewesen, Grüne oder aber auch FDP zu wählen, so Yasmine M'Barek in SWR2, Journalistin bei ZEIT ONLINE im Ressort X.

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Nicht Generation Greta, sondern einfach eine kluge Generation

„Auch junge Konservative und Liberale geben als eines der wichtigsten Themen Klimaschutz an“, so M'Barek mit Blick auf die Spitzenergebnisse beider Parteien bei Erstwählerinnen und Erstwählern. Gerade die FDP habe zu den Themen Corona und Digitalisierung einen guten Wahlkampf geführt, was die anderen Parteien nicht getan hätten.

Und M'Barek weiter: „Der Konsens, dass die Klimakrise angegangen werden muss, ist nicht nur in einem grünen oder linken Lager zu verzeichnen, sondern prinzipiell.“ Deshalb, sagt M'Barek, würde sie die junge Generation nicht als „Generation Greta" bezeichnen, sondern als „kluge Generation, die sich ihres größten Problems bewusst ist“.

Die Jüngeren haben sich in der Coronakrise von der Politik im Stich gelassen gefühlt

Ob sich FDP und Grüne dabei zu den neuen Volksparteien entwickelten, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Union und SPD jedoch seien es nicht mehr. Das bedeute jedoch nicht, so M'Barek, dass sich in den unterschiedlichen Präferenzen von Jüngeren und Älteren ein großer Generationenkonflikt abbilde.

Sie sehe den „Twist" nicht, dass die Älteren mit Blick auf die Klimafrage gleichgültiger seien. Allerdings hätten sich die Jüngeren in der Corona-Krise alleingelassen gefühlt, von der Politik vergessen. Ein Wahlrecht ab 16 sehe sie kritisch, so M'Barek. Auch die AfD liege bei den Jüngeren weit vorn.

Gespräch Politik-Experte: Entscheidung über Koalition liegt bei Grünen, nicht bei der FDP

Die Hoffnungen von Union und FDP, gegen den Wahlsieger SPD eine Jamaika-Koalition bilden zu können, seien trügerisch, meint der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel in SWR2. Zwar habe auch die Parteispitze der Grünen eine Tendenz Richtung Jamaika, vor allem weil sie jene Kräfte in die Verantwortung nehmen wolle, die in der Vergangenheit am stärksten gegen Klimapolitik gewesen seien und sich davon größeren Rückhalt für die eigene Politik verspreche. „Die Frage ist nur, ob die Grünen-Führung da die Rechnung ohne die Basis macht“, so Schroeder, „weil die Basis da entschiedenere Vorstellungen hat, wie schnell und nachhaltig das funktionieren soll.“ Letztlich werde deshalb bei den Grünen die Entscheidung darüber fallen, ob es zu Jamaika oder zu einer Ampel komme.  mehr...

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Gespräch Publizistin Jagoda Marinic zum Wahlergebnis der Grünen: Nicht Baerbock war's – sondern Corona!

Dass die Grünen bei der Bundestagswahl hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, ist für die Publizistin Jagoda Marinic nicht auf die Spitzenkandidatin Annalena Baerbock zurückzuführen. Im Gespräch mit SWR2 meint sie: „Die Sache ist komplexer und wir wissen nicht, ob es mit Robert Habeck anders gelaufen wäre.“
Nach den Umfragen des Frühsommers, bei denen die Partei weit über 20 Prozent Zustimmung erfahren hatte, seien die Wähler vor den Veränderungen, die eine grüne Kanzlerin bedeutet hätte, möglicherweise zurückgeschreckt. Marinic wörtlich: „Corona hat das Verhältnis Bürger Staat völlig verändert. Und die Grünen standen für eine Partei der Regulierungen.“ Das sei nach 18 Monaten Pandemie mit vielen Einschränkungen schlecht für die Partei gewesen, weshalb SPD-Spitzenkandidat Scholz vielen als weniger restriktiv erschienen sei: „Sie kamen in eine Stimmung, dass die Menschen dachten: Derjenige, der am meisten flüstert, den brauch' ich jetzt.“
Marinic analysiert, dass Baerbock Fehler begangen habe – zum Beispiel das teilweise plagiierte Buch und der geschönte Lebenslauf. Doch im Endergebnis seien die Grünen keineswegs Wahlverlierer. „Die Grünen sind genauso Königsmacherinnen wie die FDP“, meint sie. Der spannendste Aspekt des Wahlergebnisses sei das einsetzende Flirten der Parteien miteinander. Den Grünen komme dabei entscheidende Verantwortung bei der Koalitionsfindung zu. Man werde dabei sehen, wie weit sich die Partei wirklich geöffnet hat. Sie bilanziert: „Man kann auch Klima und soziale Fragen zusammendenken – und das war auch der Anspruch der Grünen vor der Wahl.“
Jagoda Marinic stammt aus Waiblingen; sie hat Germanistik, Anglistik und Politikwissenschaft studiert. Marinic leitet das "Interkulturelle Zentrum" in Heidelberg und schreibt regelmäßig Kolumnen in der "Süddeutschen Zeitung" und Zeitschriften.  mehr...

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Kommentar Mit wem geht was nach der Wahl?

Vermutlich werden die Koalitionen parallel verhandelt: Ampel und Jamaika, zur Not auch die Große Koalition. Gesucht werden in jedem Fall die passendsten Modernisierer für unser Land. Ein Kommentar zum Ausgang der Bundestagswahl von Sabine Henkel.  mehr...

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