Fotografie

World Press Photo 2022: „Kamloops Residential School“ erinnert an Opfer des Kolonialismus

STAND

Aus 64.823 eingereichten Bildern von über 4000 Fotograf*innen wurde am 7. April 2022, eine Gewinnerin gekürt: Mit ihrem Foto „Kamloops Residential School“ glückte der Kanadierin Amber Bracken für die New York Times das Pressefoto des Jahres.

Kamloops Residential School (Foto: Amber Bracken, Canada, for The New York Times)
Amber Bracken, Canada, for The New York Times: Kamloops Residential School Amber Bracken, Canada, for The New York Times

Hinter dem Foto von Amber Bracken steckt Kolonialgeschichte

Aufgenommen am 19. Juni 2021 zeigt das Foto rote Kleider, die an Kreuzen hängen. Sie erinnern an Kinder, die in den Internatsschulen für nordamerikanische Indigene ihr Leben ließen. Die Einrichtungen, die vor allem im 19. Jahrhundert weit verbreitet waren, fungierten als eine eine Art Umerziehungscamp für indigene Kinder. Sie sollten dort den „Weißen“ angeglichen werden.

Rund 4.100 der circa 150.000 Schüler*innen, die von Staats wegen ihren Familien entrissen wurden, starben. Ihnen wurde verboten, ihre Sprache zu sprechen und es kam nicht selten zu körperlichem Missbrauch. Die kanadische Kamloops Residential School ist eine dieser Einrichtungen, an deren Opfer Amber Bracken mit diesem Foto gedenken möchte.

Der Preis für die Foto-Story des Jahres geht an Matthew Abbott

Saving Forests with Fire (Foto: Matthew Abbott, Australia, for National Geographic / Panos Pictures)
Matthew Abbott, Australia, for National Geographic / Panos Pictures: Saving Forests with Fire Matthew Abbott, Australia, for National Geographic / Panos Pictures

Seit tausenden von Jahren nutzen indigene Australier*innen strategische Feuer, um ihre Umwelt zu beschützen. Die Nawarddeken sind die traditionellen Besitzer des West Arnhem Land, im Norden Australiens. Sie sehen Feuer als Möglichkeit, ihr Land zu verjüngen und zu erneuern – sie nutzen es gezielt als Werkzeug, um ihr rund 1,4 Millionen Hektar großes Land zu verwalten.

Fotograf Matthew Abbott lebte einst im West Arnhem Land und wurde dort in die Gemeinschaft aufgenommen. Er wollte den Umgang der Ranger mit Feuern im Kontext der Klimakrise und der verheerenden Waldbrände Australiens der vergangenen Jahre aufzeigen. Für seine Fotoserie erhält er den World Photo Series Award.

„Amazonian Dystopia“ gewinnt den World Press Photo Award für Langzeitprojekte

Amazonian Dystopia (Foto: Lalo de Almeida, Brazil, for Folha de São Paulo/ Panos Pictures)
Lalo de Almeida, Brazil, for Folha de São Paulo/ Panos Pictures: Amazonian Dystopia Lalo de Almeida, Brazil, for Folha de São Paulo/ Panos Pictures

Der Regenwald im Amazonas ist mit zahlreichen Bedrohungen konfrontiert: Abholzung, infrastrukturelle Probleme und Ausbeutung natürlicher Ressourcen wurden unter der Politik von Jair Bolsonaro immer mehr. Die Fotostrecke des brasilianischen Fotografen Lalo de Almeida zeigt auf, wie die Zerstörung seit dem Jahr 2019 immer schneller foranschritt.

Open Format: Video „Blood is a Seed“ von Isadora Romero

Blood is a Seed (Foto: Isadora Romero, Ecuador)
Isadora Romero, Ecuador: Blood is a Seed Isadora Romero, Ecuador

Das Video der ecuadorianischen Künstlerin Isadora Romero handelt vom Dorf Une in Kolumbien. Romero entdeckt darin ihre eigene Familiengeschichte im Kontext von gezwungener Migration, Kolonialisierung und dem fortschreitenden Verlust von ihrer eigenen Ahnengeschichte.

Alle Preise des World Press Photo Awards sind mit 1.000 Dollar dotiert. In einer weltweiten Tour gibt es außerdem eine Ausstellung zu den Gewinnerbildern: Am 15. April startet diese in De Nieuwe Kerk in Amsterdam, wo auch die regionalen Gewinner ausgestellt werden, die bereits im vergangenen Monat bekanntgegeben wurden.

Ukraine-Serie gewinnt beim Regionen-Wettbewerb in Europa

Gewinner des „World Press Photo Award“ in der Regionen Europa: Die Bilder des französischen Fotografen Guillaume Herbaut zeigen den Krieg in der Ostukraine und die Besetzung der Krim durch Russland seit 2013. (Foto: Word Press Photo Award / Guillaume Herbaut )
Gewinner beim  „World Press Photo Award“ in der Regionalkategorie Europa: Die Bilder des französischen Fotografen Guillaume Herbaut zeigen den Krieg in der Ostukraine und die Besetzung der Krim durch Russland seit 2013. Word Press Photo Award / Guillaume Herbaut

Schon am 24. März sind Aufnahmen zum Ukraine-Konflikt beim Regionen-Wettbewerb „World Press Photo“ als beste Pressebilder Europas ausgezeichnet worden: Die Bilder des französischen Fotografen Guillaume Herbaut von der Agentur VU zeigen den Ukraine-Konflikt schon vor Ausbruch des Krieges. Sie dokumentieren die Spannungen und Kämpfe in der Ukraine von 2013 bis 2021 sowie die Besetzung der Krim durch Russland und den Krieg in der Ostukraine.

Gewinner beim „World Press Photo Award“ in der Region Europa: Die Bilder des französischen Fotografen Guillaume Herbaut zeigen den Krieg in der Ostukraine und die Besetzung der Krim durch Russland seit 2013. (Foto: Word Press Photo Award / Guillaume Herbaut )
Gewinner beim „World Press Photo Award“ in der Regionalkategorie Europa: Die Bilder des französischen Fotografen Guillaume Herbaut zeigen den Krieg in der Ostukraine und die Besetzung der Krim durch Russland seit 2013. Word Press Photo Award / Guillaume Herbaut

Gesellschaft Poesie und Politik: Die Indigene Louise Bernice Halfe ist kanadische Parlamentsdichterin

Für manche ist der Vorschlag ein Witz: Deutschland könnte sich wie andere Nationen einen Parlamentsdichter zulegen. Nachdem bei der Vereidigung von Präsident Joe Biden im vergangenen Jahr die junge Dichterin Amanda Gorman mit ihrem Gedicht „The Hill We Climb“ Schlagzeilen gemacht hat, wird die Idee auch hierzulande immer salonfähiger. In Kanada hat man bereits seit 2002 eine*n Parlamentspoet*in. Seit Anfang 2021 ist es Louise Bernice Halfe, Sky Dancer. Sie ist die erste Parlamentsdicherin indigener Herkunft.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Ausstellung Pedro Wirz in der Kunsthalle Basel: Die Natur hat Katerstimmung

Wo Menschen leben, verändern sie ihre Umwelt — und oft nicht zum Besseren. Der schweizerisch-brasilianische Künstler Pedro Wirz rückt diese Interaktion in den Mittelpunkt seiner Ausstellung „Environmental Hangover“ in der Kunsthalle Basel. Kulturpessimismus wäre aber fehl am Platz. Denn Wirz findet Umweltschutz zwar wichtig, interessiert sich als Künstler aber vor allem für die neuen, anthropogenen Formen, die aus dem Zusammenspiel von Konsumwelt und Natur entstehen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN
SWR