Tagesgespräch

Wirtschaftsweise Veronika Grimm: "Zahlungsströme nach Russland drastisch reduzieren"

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Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm plädiert dafür, die Zahlungen für Energieträger aus Russland drastisch zu reduzieren, damit die Wirtschaftssanktionen besser wirken. Im SWR2 Tagesgespräch sagte Grimm: "Pro Monat fließen etwa 20 Milliarden Euro aus der EU an Russland. Dieses Geld federt die Sanktionen, die ansonsten verhängt wurden, ab." Es sei auch ohne sofortiges Gasembargo möglich, diese Zahlungsströme zu reduzieren. "Man könnte Öl und Gas mit Importzöllen belegen, damit ein Teil der hohen Preise auch an die EU fließt, oder an die importierenden Staaten. Man könnte mit Treuhandkonten arbeiten und einen Teil der Zahlungen auf Treuhandkonten festhalten", so die Wirtschaftswissenschaftlerin. Eine Möglichkeit sei auch, zunächst Öl mit einem Embargo zu belegen und bei Gas mit Importzöllen zu arbeiten. Entsprechend würde sie die Bundesregierung auch beraten.
Was die Auswirkungen der Sanktionen auf Deutschland und Europa angeht, verwies Grimm auf die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen durch den russischen Angriff auf die Ukraine. Dabei müsse man kurzfristige und langfristige Auswirkungen im Blick haben. "Wirksame Sanktionen reduzieren Russlands Spielräume, den Konflikt zu eskalieren und damit in Zukunft auch die europäische Sicherheitsordnung zu gefährden. (…) Wir brauchen eine stabile Sicherheitsordnung in Europa, um Wachstum zu realisieren", so die Wirtschaftsweise. Sanktionen könnten dazu beitragen, auf Dauer diese Stabilität wahrscheinlicher zu machen. Jetzt gehe es um die Frage: "Gehen wir diese Kosten heute ein, um dann in Zukunft besser aufgestellt zu sein und zu vermeiden, dass sich der Krieg in Europa ausbreitet auf andere Regionen?"

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