Gitarre und Koffer auf einer Straße (Foto: IMAGO, IMAGO / agefotostock)

Sommerserie: On the Road

Seine „Winzlinge“ entdecken die Pfalz: Landschaftsfotograf Bendedikt Hild

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AUTOR/IN
Kerstin Bachtler

Ein Landschaftsfotograf muss raus, mitten hinein in die Natur, so wie Benedikt Hild. Er lässt sich von seiner Heimat, der Pfalz, zu ganz besonderen Fotos inspirieren, indem er sie mit winzigen Figuren belebt.

Ein Bild aus der Nähe, ein Bild aus einiger Entfernung

Benedikt Hild steht mitten in einem Weinberg in Edenkoben an der Südlichen Weinstraße. Mit Daumen und Zeigefinger hält er eine winzige, nur 18 Millimeter große Figur auf einem Fahrrad und versucht vorsichtig, sie auf einen der Drähte zu setzen, die zwischen den Rebzeilen gespannt sind.  

Sobald die Figur fest sitzt, stellt der Fotograf zwei Kameras und eine Lampe auf. In seinem Buch ist jede Szene mit zwei Bildern festgehalten: Einem aus nächster Nähe und einem aus einiger Entfernung.  

Benedikt Hilds Fotoprojekt „Little Mannheim” (Foto: Pressestelle, (c) Benedikt Hild)
So sehen die Szenen aus, die Benedikt Hild in seinen Bildern festhält. Pressestelle (c) Benedikt Hild

Die pfälzische Landschaft soll man erkennen können

Es ist Benedikt Hild wichtig, dass Betrachtende die pfälzische Landschaft erkennen und wenn sie sie kennen, auch zuordnen können. Bei der Themensuche wandert er zunächst an einen Ort, zum Beispiel im Pfälzer Wald, und überlegt dann, was er dort mit welchen Figuren inszenieren könnte.  

 „Wanderer wundern sich manchmal und denken, ich habe vielleicht etwas verloren. Aber ich suche dann nach Mikrokosmen, die ich aufbauen kann. Ich achte auch darauf, dass ich, wenn ich auf Entdeckungstour gehe, ganz ohne Smartphone, ohne Musik mir das anschaue, damit ich das ganz anders wahrnehmen kann, die Landschaften oder die Szenerien, und da kommt man auf noch bessere Ideen, finde ich.“ sagt Benedikt Hild.

Über 1000 Figürchen sind in Hilds Sammlung

Mittlerweile besitzt er rund 1000 winzige Figürchen, in den unterschiedlichsten Positionen und Handlungen. Oft setzt er sie passend zur Landschaft ein, zum Beispiel kleine Kletterer im roten Sandstein im Dahner Felsenland oder winzige Gärtner vor einer Mini-Gartenhütte im romantischen Karlstal bei Trippstadt.

Für ein anderes Bild ist er ganz früh morgens auf den Donnersberg gewandert, zum Adlerbogen, der sich bei Dannenfels hoch über die Bäume wölbt und einen fantastischen Ausblick auf die Pfalz bietet. 

„Beim Sonnenaufgang, das war eine ganz besondere Situation. Das Bild heißt „Tausprüher“. Ich habe eine kleine Figur auf einem Blatt aufgebaut, die eben für den morgendlichen Tau sorgt. Das ist ganz schön mit den Wassertropfen, wo sich die Landschaft umgekehrt spiegelt. Das ist eins meiner Lieblingsbilder.“ 

Buchcover Benedikt Hild „Little Mannheim” (Foto: Pressestelle, (c) Benedikt Hild)
Benedikt Hilds Fotoband „Little Mannheim” spielte sich ganz in der Stadt Mannheim ab. Pressestelle (c) Benedikt Hild

Ernstes Thema, aber humorvolle Szene

Aber Benedikt Hild zeigt nicht nur die schönen Seiten der Pfalz. Ins Gelände des ehemaligen Atomwaffenlagers bei Ludwigswinkel in der Südwestpfalz hat er einen Miniaturtrupp in Schutzanzügen gesetzt, die das verseuchte Gelände dekontaminieren. Ein ernstes Thema und dennoch eine liebevolle Szene, die zeigt, dass der Fotograf auch Humor hat.  

 „Und ich schaue auch, dass ein bisschen Geschichte drin ist, ein bisschen was Amüsantes, das heißt, dass dann wirklich auch die ganze Pfalz abgebildet ist. Ich möchte die Menschen auch motivieren, mit anderen Augen durch die Pfalz zu gehen.“ 

Immer on the road

Die ganze Pfalz hat der Pfälzer Fotograf erst durch seine Fotostreifzüge richtig kennengelernt:  

 „Als ich mit dem Buch angefangen habe, habe ich mir erstmal eine große Landkarte gekauft. Für mich war früher die Pfalz nur die Weinstraße. Aber dann habe ich realisiert, dass die Pfalz noch viel mehr zu bieten hat, ich war zum Beispiel zum ersten Mal im Dahner Felsenland und war fasziniert davon. Das war auch in der Hinsicht etwas Besonderes, weil man in dieser Landschaft ganz viele spannende Szenen umsetzen kann, wenn man sie aus der Sicht der Winzlinge betrachtet.“ 

Die Fotos von Benedikt Hild sind witzig und ästhetisch zugleich. Und sie sind echt. Sie zeigen nur das, was er wahrhaftig durch die Linse seiner Kamera gesehen hat – weil er selbst dort war, an den Orten, die er in seinen Bildern zeigt. Ein Fotograf, immer on the road. 

Anfang des Jahres hat Benedikt Hild seinen Bildband mit dem Titel „Little Pfalz – Winzlinge entdecken die Pfalz“ veröffentlicht. 

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Kerstin Bachtler