SWR2 Forum Im Labyrinth der Buchstaben –

Wie bekämpft man Analphabetismus?

Es diskutieren:
Dr. Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung, Stiftung Lesen, Mainz
Tim-Thilo Fellmer, Kinderbuchautor und Verleger, Grefrath
Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Uniklinikum München
Gesprächsleitung: Lukas Meyer-Blankenburg

Dauer

Das Hinweisschild an der Straße, die Menükarte im Restaurant oder eine kurze SMS von der Freundin - selbst einfachste Sätze sind für rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland kaum zu verstehen. Sie gelten als so genannte funktionale Analphabeten, die weder richtig lesen noch schreiben können. Mehr als die Hälfte von ihnen geht trotzdem ganz geregelt arbeiten. Wie meistern sie den Alltag, wenn der Chef lieber Mails verschickt, anstatt zu telefonieren?

Im Gegensatz zum gängigen Vorurteil sind funktionale Analphabeten weder zu dumm noch zu faul zum Lesen. Das Handicap abzulegen, fällt vielen trotzdem schwer, die Scham ist oft groß. Und lässt sich als Erwachsener überhaupt nachholen, was man in der Schule nie gelernt hat? Oder machen Sprach-Apps und automatische Texterkennung Lese- und Schreibkenntnisse ohnehin bald überflüssig?

Einige Wissenschaftler fürchten, dass mit der Digitalisierung die Zahl derjenigen, die kaum lesen und schreiben können, sogar noch wachsen wird. Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn immer mehr Menschen Informationen in Textform nicht verstehen und sich schriftlich nicht ausdrücken können?

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