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INTERVIEW

„Heute ist das Material auch für Leute interessant, die sich nicht nur für das Thema Altern interessieren“, sagt Christina von Hodenberg, Historikerin und Leiterin des Deutschen Historischen Instituts London über Akten und Tonbänder der Bonner Längsschnittstudie des Alterns (BOLSA) von 1965 bis 1984, die jetzt in einem Online-Archiv erschlossen worden ist.

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Bei der BOLSA handelt es sich um ein einzigartiges, lebensgeschichtliches Archiv mit Toninterviews und zahlreichen Akten zu älteren Menschen, die zwischen 1890 und 1905 geboren wurden. Gefördert von der VW-Stiftung wurde die BOLSA in den letzten Jahren digitalisiert und erschlossen und ist jetzt online zugänglich am Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt in Halle.

Überraschende Einblicke ins Leben der älteren Generation

Wie haben alte Leute eigentlich damals gelebt? Wie sah das Leben aus für pensionierte Handwerker oder für Frauen oder Witwen? Gab es Altersarmut? Wie religiös waren die Leute damals? Auf all diese Fragen gäben die Interviews überraschende Antworten, so die Historikerin in SWR2. Das seien spannende Quellen für Historiker im Blick auf die Zeitgeschichte.

Entgegen dem Vorurteil, alte Menschen seien unpolitisch, hätten die Interviews gezeigt, dass viele politisch interessiert und engagiert gewesen seien, beispielsweise in katholischen Vereinen oder Gewerkschaften.

„Auch die lange psychologische Nachwirkung davon, dass die Söhne, oder einige Söhne, gefallen waren im Krieg, oder dass alte Männer kaum je über ihre Kriegserfahrungen geredet haben, nachdem sie zurückkamen. Das waren Dinge, die mich heute noch interessieren und die ich so nicht erwartet hatte“, so Christina von Hodenberg.

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