Gespräch

Wettlauf gegen die Zeit: Die Notwendigkeit einer globalen Impfkampagne

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„In den USA gab es eine großangelegte Kampagne der Wissenschaft von Nobelpreisträger*innen, der Zivilgesellschaft, die es geschafft haben, die Politik zum Einlenken zu bringen. In Deutschland sehe ich diese große öffentliche Bewegung leider noch nicht", sagt Julia Reda im Gespräch mit SWR2.

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Das Aufheben von Patenten scheitert am fehlenden politischen Willen der Industrienationen

Reda saß von 2014 bis 2019 für die Piraten im Europäischen Parlament und arbeitet heute bei der Gesellschaft für Freiheitsrechte, die mit anderen Hilfsorganisationen einen Menschenrechtsreport zur Lage in der Pandemie herausgegeben hat. Eine Aufhebung des Patenschutzes für Corona-Impfstoffe wäre aber unbedingt notwendig.

Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten auch gezeigt, sobald Patente auf Behandlungsmethoden abgelaufen seien, hätte es eine lokale Produktion im globalen Süden gegeben. Es läge also nicht an dem mangelnden Vermögen des globalen Südens, dass es weltweit zu wenig Impfstoff gäbe, sondern an dem politischen Willen der Industrienationen, das möglich zu machen, meint Reda.

Der Vorschlag selbst liegt seit einem halben Jahr auf dem Tisch

Der Vorschlag mit Sublizenzen zu arbeiten, würde den Prozess in jedem Fall verlangsamen. „Mit einer Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte würde wir angemessen auf die Pandemie reagieren können und binnen eines Jahres die Weltbevölkerung auch tatsächlich impfen“.

Der Vorschlag zur weltweiten Versorgung mit Impfstoffen läge schon seit über einem halben Jahr auf dem Tisch, seitdem habe sich extrem viel getan, sagt Reda. „Sehr viele Industrienationen haben ihre Positionen geändert und jetzt hängt es eigentlich nur noch an der EU und vor allem Deutschland“.

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