Gespräch

Weshalb der Ukraine-Krieg keine Verkehrswende bringt

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INTERVIEW
Philine Sauvageot

Auch die steigenden Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs werden Deutschland nicht die Verkehrswende bescheren. Diese These wagt die Mobilitätsexpertin Katja Diehl im Gespräch mit SWR2. „Der Krieg wird keine neuen Erkenntnisse bringen“, behauptet sie mit Blick auf das Verhalten der Deutschen, auch wenn sie sehr hoffe, dass die Menschen aus den steigenden Preisen für Benzin, Diesel, Heizöl, Gas und Strom etwas lernen.

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Verkehrstote werden wie „eine Naturkatastraophe“ akzeptiert

Das Auto ist für Diehl, die den Podcast „SheDrivesMobility“ betreibt, wie ein Virus. Das zeige sich daran, dass die durchschnittlich acht Verkehrstoten pro Tag in Deutschland akzeptiert werden „als wäre das eine Naturkatastrophe, die man nicht ändern kann.“ Finnlands Hauptstadt Helsinki habe es dagegen geschafft, auf null Tote im Straßenverkehr zu kommen. „Da sind Kinder und Senior*innen halt mehr wert als ein Auto“, sagt Diehl kritisch.

Ihren Standpunkt, dass jeder ein Recht haben solle, ohne Auto leben zu können, verteidigt Diehl, die lange für Unternehmen der Logistik- und Mobilitätsbranche gearbeitet hat und nun unter anderem die baden-württembergische Landesregierung und das österreichische Verkehrsministerium berät, mit dem Satz: „Ich finde, wenn wir 13 Millionen Erwachsene in Deutschland ohne Führerschein haben, die sich deshalb den 'ländlichen Raum' nicht leisten können, dann ist das eine ziemlich große Zahl.“

Menschen suchen ihren Wert im Auto

Neuseeland habe den Zuwachs im Straßenverkehr dadurch bekämpft, dass es die Preise im Öffentlichen Personennahverkehr halbiert habe. „Vielleicht, weil sie keine Autoindustrie haben“, gibt Diehl einen Denkanstoß.

Das Auto ist aus ihrer Perspektive „aufgeladen — emotional, durch Werbung.“ Viele definierten sich durch die Größe ihres PKW — dabei seien Fahrzeuge der Luxuskategorie oft geleast. Ihr Credo: „Wir brauchen ein Substitut in dem Sinn, dass Menschen ihren Wert in sich finden — und nicht im Auto.“

Forum Putins Krieg gegen die Ukraine – Wem nützt ein Energieboykott?

Marion Theis diskutiert mit
Prof. Dr. Stefan Kooths, Vizepräsident Institut für Weltwirtschaft, Kiel
Dr. Kira Vinke, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin
Dr. Guntram Wolff, Direktor Bruegel-Institut, Brüssel

SWR2 Forum SWR2

1000 Antworten Wie kommen wir aus der Energiekrise?

Der Krieg in der Ukraine und die deshalb verhängten Sanktionen gegen Russland wirken sich aus – das merkt inzwischen jeder spätestens an der Zapfsäule. Gleichzeitig ist die Diskussion um den Ausbau Erneuerbaren Energien wieder entfacht. Wann und wie schaffen wir es, unabhängig von russischem Öl und Gas zu werden?
• Wie hoch ist unsere Abhängigkeit von russischen Importen tatsächlich?
• Warum gibt es noch keinen deutschen Import-Stopp?
• Wie steht es um den Ausbau der Erneuerbaren Energien?
• Bis wann können wir realistischerweise unabhängig sein von russischem Öl und Gas?
• Was kann ich jetzt tun, um Energie zu sparen?
• Finanziere ich mit meiner Öl-Heizung womöglich indirekt den russischen Angriffskrieg mit?

SWR2 Impuls SWR2

Gespräch Verkehrsforscher: ADAC bleibt trotz „Mobilitätsindex“ Auto-Interessengemeinschaft

„Der ADAC sieht zwar, dass das Automobil an seine Grenzen kommt, dass es auch noch andere Verkehrsmittel gibt. Aber er ist und bleibt am Ende des Tages immer noch eine Auto-Interessengemeinschaft", sagt der Verkehrsforscher Prof. Andreas Knie bei SWR2. Der ADAC Mobilitätsindex will mit wissenschaftlicher Unterstützung aufzeigen, wie sich die Mobilität in Deutschland entwickelt, um nachhaltig zu sein. Dabei soll das Auto nicht im Fokus stehen, auch das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel werden berücksichtigt. Diesen Willen kann der Experte nur in Teilen erkennen. „Wir haben immer noch eine Politik, die das Auto bevorzugt. Wir haben ein Dieselprivileg, wir haben eine Entfernungspauschale und wir haben ein Dienstwagenprivileg. Damit sieht man, dass wir in Deutschland noch immer alles dafür tun, dass möglichst viele Auto zugelassen werden“, kritisiert Knie.

SWR2 am Morgen SWR2

Energieversorgung Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg auf die Energiewende aus?

Vielen gehen die Sanktionen gegen Russland nicht weit genug. Warum sagt der Westen nicht: kein Gas mehr aus Russland? Offensichtlich sind wir immer noch abhängig vom russischen Gas. Was können und müssten wir also tun, um die Energiewende bei uns voranzutreiben?

SWR2 Impuls SWR2

Radfahren Der Fahrradboom und seine Folgen

In den vergangenen zehn Jahren hat sich in deutschen Großstädten der Anteil der Radfahrer verdoppelt. Die Infrastruktur in den Städten ist damit jedoch überfordert.

SWR2 Wissen SWR2

Wien

Leben Wem gehört die Parklücke? Stehende Autos im öffentlichen Raum

Ein Hochbeet in der Parkspur? Wenn Autos nicht gerade fahren, dann parken sie - und brauchen viel Platz. Platz, der zum öffentlichen Raum gehört und auch anders genutzt werden könnte.

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Philine Sauvageot