Gespräch

Wer zahlt für die Corona-Krise? Bündnis fordert höhere Steuern für Reiche

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INTERVIEW

#ReichtumUmverteilen – so heißt ein offener Brief an die Bundesregierung in dem über 100 Organisationen und Menschen aus der Kunst, Kultur und Wissenschaft die Regierung auffordern, Vermögende stärker zu belasten. Theaterregisseur Volker Lösch erklärt, was ihn dazu bewogen hat, auch zu unterzeichen.

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Lösch erklärt: „Die Staatsverschuldung, die extrem zunimmt — und die Gelder dafür — darf man sich nicht von den Geringverdienenden nehmen.“ Die Corona-Krise und die zu erwartenden Kürzungen seien nur ein Symptom eines viel größeren Problems.

Spaltung der Gesellschaft durch Ungleichheit

Der Regisseur sieht es im „stetigen und weltweiten Anstieg von Ungleichheiten und damit zusammenhängend die zunehmende Spaltung von Gesellschaften“.

Eine Lösung über freiwillige Sponsorengelder oder freiwillige Kostenbeteiligungen schätzt Volker Lösch nicht als realistisch ein. „ Das ist ja ein grundsätzlich menschliches Problem“, gibt er zu bedenken — niemand werde freiwillig auf seinen Reichtum verzichten.

Obszönes Anhäufen von Reichtum

In der Verantwortung sieht Lösch insbesondere die „neoliberale Ideologie der letzten Jahre“, die dazu geführt habe, dass es zu einem „immer obszöneren“ Anhäufen von Reichtum gekommen sei.

Der Wiederanstieg der Ungleichheit gehöre, so der Theaterregisseur, zu den zerstörerischsten strukturellen Veränderungen, mit denen wir heute konfrontiert sind.

In den sozialen Medien verbreitete sich die die Petition rasch und sorgte für teilweise heftige Diskussionen:

Grob lassen sich die Reaktionen auf den offenen Brief in zwei Lager aufteilen — einerseits begeisterte Zustimmung, darunter von vielen Kulturschaffenden und Politiker*innen aus dem eher linken Spektrum.

... sich hin und wieder bewußt machen, dass niemand der Superreichen ihren Reichtum selbst erarbeitet haben ... #ReichtumUmverteilen

Andererseits gibt es heftige Ablehnung und der Verweis auf die „geleistete Arbeit“, die den Reichtum erst ermöglicht hätte.

Letztere Position wird vor allem von Accounts aus dem FDP-Umfeld vertreten. Außerdem werden Parallelen zum Sozialismus gezogen und mit einem einem Untergang der Mittelschicht gedroht.

Wir sollten weniger darüber reden, wie man große Vermögen klein macht. Wir sollten mehr darüber reden, wie man kleine Vermögen groß macht. Und wie die, die gar keines haben, welches aufbauen können. #ReichtumUmverteilen

Organisiert wurde der Brief von dem Bündnis „Wer hat, der gibt“ — unter den Unterzeichner*innen befinden sich auch der Wissenschaftler Christoph Butterwegge, die Schauspielerin Maren Kroymann, die Autor*innen Ismail Küpeli, Sharon Dodua Otoo und Mithu Sanyal, der Kabarettist Max Uthoff und der Internet-Comedian Sebastian Hotz alias „El Hotzo“.

Neidisch. Faul. Arbeitsscheu. Kommmunisten! Die ideologischen Gegner einer solidarischen Gesellschaft, in der nicht dem reichsten Prozent 35% des Vermögens gehören, sind argumentativ ja richtig auf der Überholspur. #ReichtumUmverteilen https://t.co/C5Edjg14s5

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