Gespräch

Welthunger-Index 2021: Die Klimakrise ist eine Hungerkrise

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Marie Gediehn

„Leider hat sich der Hunger weiter ausgebreitet,“ konstatiert Mathias Mogge, Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, anlässlich des nun veröffentlichten Welthunger-Index 2021 der Welthungerhilfe. Dieser rechnet mit bis zu 811 Millionen Menschen weltweit, die unterernährt sind und hungern. Auch andere, damit verbundene Phänomene wie Kindersterblichkeit und Mangelernährung bei Kindern breiteten sich weiter aus.

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Mehr Menschen hungern

41 Millionen Menschen lebten am Rande einer Hungersnot. Besonders dramatisch ist demnach die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

Die Ursachen für die Zunahme des Hungers seien einerseits die Klimakrise und die Corona-Pandemie, so der Bericht. Im Gespräch mit SWR2 ergänzt Mathias Mogge, aber auch die Bedeutung der bewaffneten Konflikte: Diese griffen, so Mogge, massiv in das Ernährungssystem ein — Felder würden abgebrannt, Lagerbestände geplündert oder die Vermarktung von Lebensmitteln anderweitig eingeschränkt. Man beobachte seit vielen Jahren, dass es sich hierbei nicht um ein Einzelphänomen handle.

Pressekonferenz zur Vorstellung des Welthunger-Index 2021 #GHI2021. Es sprechen Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe, und Generalsekretär @MathiasMogge. https://t.co/z6XupE8RMl

Frieden hilft den Hunger zu bekämpfen

Derzeit gebe es weltweit ungefähr 56 bewaffnete Konflikte, sagt der Generalsekretär der Welthungerhilfe und schließt an: „Wir fordern, dass Politik und Diplomatie alles dafür tun, um diese Konflikte zu beenden.“ Nur dann könne nachhaltig der Hunger bekämpft werden.

Einige Beispiele, etwa Sierra Leone oder Liberia zeigten, wie sich nach einer Befriedung mit Unterstützung der Vereinten Nationen auch die Ernährungssituation der Bevölkerung deutlich verbessere — auch das sei dem neuen Welthunger-Index zu entnehmen.

Klimawandel als wachsendes Risiko

Auf der anderen Seite komme dann aber noch die steigende Bedrohung durch den Klimawandel, momentan seien zum Beispiel in Madagaskar 30.000 Menschen unmittelbar bedroht zu verhungern. Die zunehmenden Dürren seien ein Weckruf, auch für die anstehende Klimakonferenz in Glasgow.

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