Theater, Film und TV am Internationalen Weltfrauentag #MeToo zeigt Wirkung

Am 8.3.2018 von Doris Maull

In Zeiten der „MeToo“-Debatte ist eigentlich jeder Tag Weltfrauentag. Wie können Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe an Jobs und Karrieremöglichkeiten in Film, Fernsehen und Theater erhalten? Gibt es dort bereits Fortschritte?

Männerherrschaft im Theater

Die Regisseurin Angelika Zacek gibt eine düstere Diagnose für den Zustand der deutschen Theaterwelt. Die Vorstands-Vorsitzende der Vereinigung Pro Quote Bühne kritisiert die fehlende Gleichberechtigung an deutschen Theatern: „Theater ist so hierarchisch aufgebaut, dass es den Machtmißbrauch begünstigt durch diese große starke Hierachie.“

Die Zahlen geben Zacek recht. 78 Prozent der Bühnen in Deutschland sind noch immer in Männerhand – 75 Prozent aller Inszenierungen stammen von Männern. Dafür sind 80 Prozent der Souffleusen weiblich.

MeToo-Debatte: ein Segen

Die „MeToo“-Debatte sei ein Segen, so Zacek. Endlich würde auch im Theater über Macht und Machtmissbrauch geredet. Erste strukturelle Folgen: Der Deutsche Bühnenverein hat im Januar 2018 eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit "grundlegenden Fragen der Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung an Theatern und Orchestern" beschäftigt.

Gesellschaftlicher Konsens: Wir müssen das ändern

Die Feministin und Herausgeberin des Missy Magazins, Stefanie Lohaus, warnt dennoch vor zu hohen Erwartungen: „Das sind sehr hartnäckige Strukturen, die es auch schon sehr lange gibt. Wir können uns nichts vormachen, es gibt nicht ein einzelnes Gesetz oder eine einzelne Maßnahme, mit der wir dieses Problem lösen können – ich glaube, es muss erst einmal ein gesellschaftlicher Konsens hergestellt werden, der das ändern möchte, und dafür müssen viele Personen wissen, worum es geht - dass das ein Problem ist und das auch als Problem betrachten.“

Umdenken auch auf der Berlinale

Dass das Problembewusstsein durch „Me too“ erheblich zugenommen hat, ließ sich – neben den diversen öffentlichen Debatten um den Fall Dieter Wedel in Feuilletons und Talk-Shows - vor allem auch auf der diesjährigen Berlinale beobachten.

Von diversen Podiumsdiskussionen bis zu #Nobodys-doll-Anstecker war das Thema omnipräsent. Auch die Filmbranche in Deutschland begünstigt Machtmissbrauch – darüber waren sich alle einig. Erste praktische Konsequenz aus dieser Einsicht. Eine überbetriebliche Beschwerdestelle, an die sich Opfer sexueller Übergriffe wenden können.

Kampf um ausgeglichene Verhältnisse im Film

Gleichzeitig hat sich die Initiative „Pro Quote Regie“ im Januar dieses Jahres in „Pro Quote Film“ umbenannt – und kämpft jetzt für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im gesamten Filmgeschäft – also vor und hinter der Kamera.

Frances McDormand, die frisch gekürte Oscarpreisträgerin für Ihre Rolle der Miltred Hayes in Martin Mc Donagh’s Film „Three Billboards Outside Ebbing Missouri“ ist nicht nur im Film eine taffe Vertreterin ihres Geschlechts – auch im richtigen Schauspielerinnenleben weiß sie genau, was sie will.

Frances McDormand fordert Vielfalt bei Filmbesetzung

Bei der Preisverleihung in Hollywood forderte sie am Montag dieser Woche einen „inclusion rider“, eine Inklusionsklausel. Darin soll Stars bei der Unterzeichnung ihrer Verträge zugesichert werden, dass bei der Besetzung des Films auf Vielfalt geachtet wird.

Wie so etwas tatsächlich funktionieren kann, zeigt das schwedische Beispiel: Angesichts der „MeToo-Debatte“ ist in Schweden der Katalog der Film-Förderkriterien erweitert worden – um Geld zu erhalten, muß dort jetzt jede Produktion eine Schulung zum Thema Struktur, Macht und Geschlecht vorweisen.

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