Black-Lives-Matter-Proteste

„We are Bristol“: eine Stadt in England setzt sich mit ihrer kolonialistischen Vergangenheit auseinander

STAND
AUTOR/IN

Die Stadt Bristol hat die Kommission „We are Bristol“ ins Leben gerufen, um mit den Bürgerinnen und Bürgern über die kolonialistische Vergangenheit der Stadt ins Gespräch zu kommen. Anlass war eine Demonstration der Black-Lives-Matter-Bewegung im Juni 2020, bei der die Statue des einstigen Sklavenhändlers Edward Colston im Hafenbecken landete.

Audio herunterladen (3,9 MB | MP3)

Die Colston-Statue - vom Sockel ins Hafenbecken, jetzt im Museum

Die Aktion sorgte international für Aufsehen: Im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste stürzten Demonstranten die Statue des einstigen Sklavenhändlers Edward Colston vom Sockel und schmissen sie ins Hafenbecken. Die Stadt setzte danach die Kommission „We are Bristol“, „Wir sind Bristol“ ein.

Sie will mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen – über die koloniale Vergangenheit der Stadt im Allgemeinen, aber auch über die Colston-Statue im Besonderen. Seit Anfang Juni 2021 ist die Statue vorübergehend im M-shed Museum in Bristol ausgestellt, versehen mit zahlreichen Erläuterungen.

Die Einladung zur Diskussion wird auch von jungen Leuten gut angenommen

Dabei wird zum einen die Black-Lives-Matter-Bewegung und die Demonstration aus dem Jahr 2020 behandelt, bei der die Statue gestürzt wurde. Außerdem wird die Geschichte der Statue wird erzählt, von der Aufstellung bis hin zu den Protesten, die es schon im 20. Jahrhundert gab. Edward Colston und seine Rolle in der Royal African Company und seine Beteiligung beim Sklavenhandel werden thematisiert, und schließlich wird die Stadt eingeladen, mitzudiskutieren, wie es weitergehen soll.

Die Einladung zum Gespräch wird dem Vorsitzenden der Kommission  „We are Bristol“, Geschichtsprofessor Tim Cole zufolge sehr gut angenommen. Die Kommission sei überrascht, wie viele junge Leute, 18- bis 25-Jährige, sich beteiligen würden und ihre Meinung äußern wollten. Schwarze und Weiße seien dabei, ein insgesamt diverses Publikum, sagt Cole.

Anhand der Besucher- und Teilnehmerdaten kann die Kommission aber auch erkennen, dass sie Menschen aus bestimmten Stadtteilen mit dem Diskursangebot bisher nicht erreicht. Daher arbeitet die Kommission auch daran, die Ausstellung auf die Straße zu bringen, in Gemeindezentren oder Bibliotheken.

Glücklich, dass die Statue nicht mehr auf einem Sockel in der Stadtmitte steht

Das Online-Portal „bridging histories“ bietet daneben weitere Möglichkeiten, sich mit der Geschichte Bristols auseinanderzusetzen: Etwa Denkmäler in der Stadt aufzuspüren, Hintergründe zu erforschen und auch darüber zu sprechen, welcher Personen gedacht werden sollte, die bisher kein Denkmal und keinen Straßennamen in der Stadt haben.

Die Bürgerbefragung zur Colston-Statue wird über den Sommer noch weitergehen, aber eine Tendenz zeichnet sich schon ab:   Die meisten Menschen in Bristol sind Tim Colston zufolge glücklich, dass die Statue nicht mehr auf einem Sockel in der Stadtmitte steht.

Voraussichtlich im Herbst wird die Kommission alle Stellungnahmen der Bürgerinnen und Bürger auswerten und die Ergebnisse danach der Stadtverwaltung vorlegen. Sie wird auf Basis dieser Daten dann entscheiden, was mit der Colston-Statue und ihrem leeren Sockel in Bristol langfristig geschehen soll. 

Kulturmedienschau Letzter Auftritt von Charlie Hübner im Polizeiruf 110 & Freispruch der „Colston Four“ | 10.1.2022

Großbritannien feiert und debattiert die Freilassung der Aktivist*innen, die 2020 die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston stürzten, Josef Hader spricht über das Trinken in der Pandemie und im Netz gibt es viel Gewinke und Geweine wegen des letzten Auftritts von Charlie Hübner – aka Sascha Buckow – im Polizeiruf.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

US-Wahl Afroamerikaner in den USA – Armut, Corona, Polizeigewalt

Die Sorgen der afroamerikanischen Bürgerinnen und Bürger nehmen amerikanische Politiker selten ernst. Aber jetzt, im US-Wahlkampf, werben Demokraten wie Republikaner um ihre Stimmen.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Gespräch Alice Hasters über Die letzte Instanz: Vier Weiße reden über Rassimus und die Redaktion hielt das nicht für ein No Go?

Wie kann eine Talkshow auf die Idee kommen, nur mit weißen Menschen über Alltagsrassismus zu sprechen? Lange Zeit sei das die Norm innerhalb der deutschen Medienlandschaft gewesen, sagt Alice Hasters in SWR2. Betroffene einzuladen sei dagegen eine neue Entwicklung, vielerorts fehle es noch immer an der notwendigen Sensibilität. „Die meisten Menschen glauben, dass sie eine antirassistische Haltung erst einnehmen müssen, wenn Gegenwind kommt. Aber wenn es keiner korrigiert, dann wird immer weiter gemacht“, so Hasters.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN