Gespräch

Warum Verschwörungsmythen gefährlich sind

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Die Mainzer Sozialpsychologin Pia Lamberty spricht lieber von Verschwörungsmythen als von Verschwörungstheorien – denn eine Theorie sei falsifizierbar, wenn Fakten ihr widersprechen, verändert man sie. „Und genau das passiert hier nicht, teilweise existieren diese Annahmen konträr zu unserem Wissen. Beispielsweise, wenn Menschen glauben, dass die Erde flach sei“, sagt Lamberty. In SWR2 erklärt sie, warum Verschwörungsglauben derzeit Hochkonjunktur hat, und was ihn so gefährlich macht.

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Kontrollverlust und Selbstaufwertung sind wichtige Faktoren

Es gebe verschiedene Erklärungsansätze für die Anfälligkeit von bestimmten Menschen für „Verschwörungsmythen“: Einmal betreffe es Menschen, die einen unübersichtlichen Situation einen Kontrollverlust erführen.Sie fingen an Muster zu sehen, wo es keine gäbe und ihre Ängste auf einen Verschwörer projizierten, so die Wissenschaftlerin.

Außerdem erfülle der Glaube an Verschwörungsmythen auch eine soziale Funktion: Menschen, die daran glauben, fühlten sich aufgewertet. Besonders ausgeprägt sei das bei Narzissten und Menschen, die ein permanentes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit hätten – daher würden viele der bekannten Verschwörungsgläubigen oft lautstark auftreten.

Rolle der sozialen Medien wird erforscht

Soziale Medien würden dieser Tage zwar helfen, Verschwörungstheorien einfacher und schneller zu verbreiten, noch läge aber kein wissenschaftlicher Beweis vor, dass diese mitursächlich seien – auch in den 1980er Jahren, ohne Social Media, habe der Vorwurf der „Lügenpresse“ in der Bevölkerung große Zustimmung erfahren, sagt die Sozialpsychologin.

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Gefahren für Politik und Gesellschaft

Aus dem Glauben an Verschwörungserzählungen, so Lamberty, ergäben sich gleich mehrere gefährliche Tendenzen für das politische Leben. Statistisch ließe sich seit längerem erkennen, dass sich diese Menschen aus der Demokratie zurückzögen – nicht mehr wählen gingen und sich tendenziell eher gewalttätigen Alternativen zuwendeten. Außerdem sei Antisemitismus inhärent in diesem Weltbild.

Ferner führe es auch zu konkreten Gesundheitsgefahren, warnt die Wissenschaftlerin: Der Glaube an Verschwörungsmythen gehe einher mit einem Rückzug von gängigen medizinischen Verfahren und einer Hinwendung zu alternativen Formen, in extremen Fällen etwa tränken Menschen Bleiche gegen das Corona-Virus.

Kritische Diskussion ist unmöglich

Die Betroffenen kapselten sich vollkommen ab, es bestünde keine Möglichkeit der kritischen Diskussion mehr, weil sie Widersprechende entweder als Teil der Verschwörung oder als „Schlaf-Schaf“ diskreditierten, erklärt Lamberty, die mit dem Bad Herrenalber Akademiepreis 2020 ausgezeichnet wird. Das sei für eine demokratische Gesellschaft extrem schwierig.

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