SWR2 Leben

Warten am Hoftor – Die Suche nach dem Vater (2/2)

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AUTOR/IN
Hans Rubinich
REDAKTEUR/IN
Rudolf Linßen

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Im Verlauf seiner Recherchen lernt Autor Hans Rubinich mehr von seiner italienischen Familie kennen. Er besucht seine Cousine Antonietta, die einzige noch lebende Verwandte. Durch sie erfährt er die Geschichte seines Onkels Gloriano, dem jüngeren Bruder seines Vaters.

Hans Rubinich beschäftigt, weshalb sein Vater Emilio die Familie in Deutschland verließ. Und wieso machte er sich kurz vor seinem Tod auf den Weg zurück nach Deutschland, wo er nicht mehr ankommen sollte?

In den 50er Jahren haben die Brüder Rubinich Mošćenička verlassen. Titos Jugoslawien hatte ihnen irdische Güter und das Zuhause genommen, schreibt Onkel Gloriano in seinem Tagebuch.  (Foto: Hans Rubinich)
In den 50er Jahren haben die Brüder Rubinich Mošćenička verlassen. Titos Jugoslawien hatte ihnen irdische Güter und das Zuhause genommen, schreibt Onkel Gloriano in seinem Tagebuch. Hans Rubinich Bild in Detailansicht öffnen
Die Aufrechnungsbescheinigung der Arbeiter-Rentenversicherung in Hessen weist für den als Wachmann in Frankfurt arbeitenden Emilio Rubenich für das Jahr 1960 Einzahlungen in die Rentenkasse aus. Der studierte, sechssprachige Romanist Emilio Rubenich arbeitete als Nachtportier und später in einem Reisebüro. Als Geburtstort ist Moscenice bei Fiume, Jugoslawien notiert, das zur Zeit seiner Geburt zum Königreich Österreich-Ungarn gehörte. Hans Rubinich Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Meldekarte des Arbeitsamtes Frankfurt ist der 14.11.1899 als Geburtsdatum von Emilio eingetragen. Am 30.09.1958 hat das Arbeitsamt die Meldekarte ausgestellt. Emilio lernte deutsch. Die beiden Rubinich Brüder tauschten Post in ihrer Verwandtschaft in Kroatisch, Čakavisch, Italienisch, Spanisch, Englisch und Deutsch. Hans Rubinich Bild in Detailansicht öffnen
Onkel Gloriano in Mar del Plata in Argentinien vor seinem Kaiser Manhattan von 1955. Im letzten Modelljahr brachte Kaiser das in Michigan gebaute Viertürer Coupé in der 3,7 l Maschine mit Kompressor und 140 PS heraus. Ein prestigeträchtiges Fahrzeug. Bis 1961 wurde es als Kaiser Carabela durch „Industrias Kaiser Argentina“ weiter gebaut. Der Exodus aus Istrien hatte die Rubinich-Brüder aus Moschiena nach Triest und Mailand gebracht. Von dort ziehen sie mittellos nach Amerika. Emilio nach Detroit, Gloriano nach Argentinien. Dort führte er seit den 1950ern ein Restaurant und kehrte in den 1970ern nach Italien zurück. In Friaul eröffnete Gloriano ein argentinisches Restaurant und starb dort 2006. Privat Bild in Detailansicht öffnen
Antonietta Gorlato, die Cousine von Hans Rubinich in Udine im Oktober 2021, dreißig Jahre nach ihrem letzten Treffen. Beide blättern im Fotoalbum des Onkel Gloriano, Antoniettas Vater. Nach dem Tod seiner Mutter Gertha Eberhardt im Jahr 1982 war Onkel Gloriano der nächste Verwandte. Er schenkte seinem Neffen Hans ein umfangreiches Album mit Familienfotos. Privat Bild in Detailansicht öffnen
Onkel Gloriano 1987 in Spanisch: „Mein lieber Neffe Hans! Mit viel Freude habe ich deinen Brief bekommen. Wir müssen ständigen Kontakt bekommen, wegen der Liebe, die mich an dich bindet und die Erinnerung und Ehrung an deinen Vater. Ich war sehr traurig, als ich vom Tode deine Mutter hörte… Ich habe von deinem lieben Vater so viele Empfehlungen für dich bekommen, aber ich hatte nicht die Freude, sie dir weiterzugeben. Aber jetzt möchte ich das Vergnügen haben, dich zu sehen und zu umarmen, um die verlorene Zeit einzuholen.“ Privat Bild in Detailansicht öffnen
Emilio Rubinich (1899-1964) kommt mit 56 Jahren 1955 nach Frankfurt und heiratete im Mai 1957 Gertha Eberhardt (1923-1982), die Mutter von Hans (*1956) im Alter von 58. Auf dem Foto ist Hans sechs Monate alt, seine Mutter 33. Hans ist ihr zweites Kind. Als Hans 1960 vier Jahre alt ist, beschließt sein Vater, nach Italien zurückzukehren. Als sein Vater mit 64 stirbt, ist Hans sieben Jahre alt. Seine Mutter stirbt 59jährig 1982. Da ist Hans 25 Jahre alt. Hans und Onkel Gloriano (1926-2006) treffen sich 1988. Gloriano stirbt 85-jährig im November 2006. Hans ist damals 50 Jahre alt. Privat Bild in Detailansicht öffnen
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AUTOR/IN
Hans Rubinich
REDAKTEUR/IN
Rudolf Linßen