Gesellschaft

Stellenabbau bei Tageszeitungen gefährdet Demokratie

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Die beiden größten Tageszeitungen in Baden-Württemberg – „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ – streichen bis Jahresende ein Fünftel ihrer Redakteursstellen. Solche Sparrunden sind das Symptom einer umfassenden Krise, die auch die ganze Gesellschaft betrifft, sagt der Medienwissenschaftler Prof. Frank Brettschneider: „Demokratie braucht eine funktionierende lokale und regionale Presse, weil sonst die Informationsgrundlage wegbricht, ein wesentlicher Teil der Meinungsbildung.“

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Offener Brief von fünf Landräten aus Sorge um die Demokratie

Fünf Landräte, die Chefs der Kreisverwaltungen von Ludwigsburg, Esslingen, Böblingen, Waiblingen und Rems-Murr, haben in mit einem offenen Brief betont, wie wichtig „eine kritische Berichterstattung für die öffentlichen Verwaltungen“ und als „Baustein der Demokratie“, ist

Kulturressorts nicht mehr besetzt

Roland Bernhard, Böblinger Landrat und Initiator des offenen Briefs. Beobachtet seit Jahren, dass die Presseplätze bei politischen Ereignissen immer spärlicher besetzt würden . Das beträfe auch die Kultur. Egal wie exzellent das Angebot sei, die mediale Resonanz würde immer flacher, beklagt auch Barbara Bergmann, die Leiterin des Schauwerks Sindelfingen.

„Eigentlich gibt es überhaupt keine Kunstkritik mehr. Oftmals kommen fachfremde Journalisten, weil die Kulturressorts gar nicht mehr besetzt sind.“

Redaktion werden kleiner und müssen crossmedial arbeiten

Was Barbara Bergmann umtreibt, ist ein allgemeines Phänomen, stellt der Medienwissenschaftler Professor Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim fest: Landauf, landab sehe man die Veränderungen in den Zeitungsredaktionen: Die Redaktion werden kleiner, sie werden auch nach anderen Regeln organisiert. Es muss crossmedial publiziert werden können, also auch online.

Weniger auf Papier und mehr online zu publizieren aber hat Folgen für die Inhalte. Online geht gut, was entweder süß ist - wie Katzenfotos – oder krass - wie Trump und Hatespeech auf Twitter.

Wenn weniger Zeitung gelesen wird, sinkt auch das Interesse an Politik

Und wenn in der Berichterstattung teilweise Kompetenz fehle, und nur noch auf Krawall reagiert würde, dann trage dies auch nicht zur Findung gesellschaftlich tragfähiger Lösungen bei, sagt Frank Brettschneider und verweist auf US-amerikanische Studien, die belegten, dass bei geringem Tageszeitungskonsum die Wahlbeteiligung sinke und das Interesse an Politik nachließe.

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