Gespräch

Vorausschauend Handeln – Historiker Peter Longerich über die Lehren aus dem Jahr 1923

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INTERVIEW
Doris Maull

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Es wäre vorschnell, die Krisen des Jahres 1923 allzu eindeutig mit unserer Gegenwart gleichzusetzen. Psychosoziale Reaktionen auf Krisen ähneln sich aber doch. Und Weitsicht und Mut im politischen Handeln braucht es in Krisenzeiten immer, meint der Historiker Peter Longerich im Gespräch mit SWR2.

Die Hyperinflation 1923 brachte die deutsche Gesellschaft zu „einer Zeit des fortgeschrittenen Irrsinns“, sagt Historiker Peter Longerich. Am 11.1.1923 marschierten die französischen Truppen ins Ruhrgebiet ein, um die Reparationsleistungen an Kohle und Holz zu sichern. Das war der Beginn der Ruhrkrise und in der Folge auch der Hyperinflation, die bereits 1921 im Gang war.

Massenarbeitslosigkeit und Versorgungsengpässe

Die Finanzierung des deutschen passiven Widerstandes hat die wirtschaftliche Krise beschleunigt, so Longerich, bis zu einem Kollaps. Das hieß: Massenarbeitslosigkeit, Versorgungsengpässe, Lebensmittel, Krawalle, große Streiks.

„Im Laufe des Tages war das Geld am Abend des Tages weniger Wert als am Morgen“, erklärt Longerich. Damit verliere sich eigentlich das ganze Zusammenleben der Menschen, und so würden Leute irrational und „hoffen auf Wunder “.

Buchkritik Peter Longerich - Antisemitismus: Eine deutsche Geschichte. Von der Aufklärung bis heute

Antisemitismus ist struktureller Bestandteil deutscher Identität: So die These des renommierten deutschen Zeithistorikers Peter Longerich in seinem neuen Buch "Antisemitismus - eine deutsche Geschichte".
Rezension von Roman Herzog.
Siedler Verlag, 640 Seiten, 34 Euro
ISBN: 978-3-8275-0067-0

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Gespräch Sozialpsychologin Pia Lamberty: Warum die Energiekrise Verschwörungsideologien anheizt

Man könne noch nicht sagen, welche rechten verschwörungsideologische Proteste angesichts der sich anbahnenden Energiekrise im Herbst auf uns zukommen, sagt die Sozialpsychologin Pia Lamberty, Leiterin der NGHO CeMAS (Center für Monitoring, Analyse und Strategie). Was man allerdings schon sagen könne: „Wir haben es derzeit mit multiplen Krisen zu tun, die Menschen extrem belasten.“ Rechtsextreme versuchten, die realen Sorgen von Menschen für sich zu nutzen, so die Sozialpsychologin. Krisensituationen würden sich leider sehr gut dafür eignen, ob das eine lokale Flutkatastrophe sei oder nun eben die Energiekrise oder die Inflation. Bei den Corona-Protesten haben man sehen können, dass die Proteste von Rechtsextremen nicht nur instrumentalisiert, sondern in vielen Fällen sogar initiiert wurden. Diese Proteste sollten wenig politisch und nach spontanen Demos aussehen. Dabei ging es den rechtsextremen Initiatoren von Protesten immer darum, gegen die Demokratie zu hetzen, in der Hoffnung, dass eine demokratische Gesellschaft kollabiert. Für alle Proteste der kommenden Monate sei die entscheidende Frage: Von wem grenzt man sich ab? Nur wenn es die klare Abgrenzung von Menschenfeindlichkeit nicht gebe, hätten Rechtsextreme eine Chance, Proteste für sich zu nutzen, erläutert Pia Lamberty.

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SWR2 lesenswert Kritik Stephan Lessenich – Nicht mehr normal. Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs

Eine Krise jagt die nächste. Der Satz "Nichts wird mehr wie zuvor" ist zum geflügelten Wort geworden. Was geschieht, wenn auf die sogenannte Normalität keinerlei Verlass mehr ist? Stephan Lessenich versucht in seinem Buch "Nicht mehr normal. Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs" eine Bestandsaufnahme und sucht nach Lösungen.

Hanser Verlag, 160 Seiten, 23 Euro
lSBN 978-3-446-27383-2

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