Forum

Von Winnetou und Rastas – Ist kulturelle Aneignung diskriminierend?

STAND

Doris Maull diskutiert mit
Prof. Dr. Lars Distelhorst, Sozialwissenschaftler und Autor
Ijoma Mangold, Kulturkorrespondent, DIE ZEIT
René Pfister, USA-Korrespondent, DER SPIEGEL

Audio herunterladen (42,3 MB | MP3)

Für die einen ist es eine absurde Debatte über Nebensächlichkeiten, für die anderen steht nicht weniger als die eigene Identität auf dem Spiel - und hier wie da kochen die Emotionen schnell hoch.

Über „kulturelle Aneignung", so scheint es, lässt sich nicht gelassen diskutieren.

Es geht um Frisuren, es geht um Federschmuck: Dürfen sich Kinder als Winnetou verkleiden? Darf man Rastalocken tragen, auch wenn man nicht aus Jamaika kommt? Was macht aus dem Interesse für das Fremde kulturellen Diebstahl?

„Woran ich mich stoße, ist diese Vorstellung, dass wir die Artefakte der Vergangenheit an der Moral der Gegenwart zu messen geneigt sind. Das halt ich für einen erkenntnistheoretisch absolut unfruchtbaren Zugang.“



Bücher zur Sendung:
Lars Distelhorst, Kulturelle Aneignung, Nautilus Verlag 2021, EUR 18,00
René Pfister, Ein falsches Wort. Wie eine neue, linke Ideologie aus Amerika unsere Meinungsfreiheit bedroht, DVA-Verlag 2022, EUR 22,00

Templin

Leben Winnetou lebt nicht mehr – Kendall Old Elk wehrt sich gegen Indianer-Klischees

Kendall Old Elk ist einer der wenigen Native Americans in Deutschland und wehrt sich gegen Indianer-Klischees.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

Medienschau Winnetou-Bücher vom Markt genommen - Reaktionen aus Feuilletons und Sozialen Medien

Hitzige Debatten um Winnetou: Der Ravensburger Verlag hat Bücher zum neuen Film wegen verharmlosender Klischees der indigenen Bevölkerung zurückgezogen. Die Wogen in Feuilletons und Sozialen Medien schlugen hoch. Ein kurzer Überblick über die Reaktionen von Anja Höfer.  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Kommentar „Eine verlogene Entscheidung“ – Zur Diskussion um die zurückgezogenen Winnetou-Kinderbücher

Im Streit um zwei Kinderbücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“, die der Ravensburger Verlag aus dem Programm genommen hat, werde mit Halbwahrheiten und Übertreibungen gezielt Stimmung gemacht, sagt SWR2 Literaturkritiker Carsten Otte. Ironischerweise folge die erregte Diskussion rhetorischen Mustern, die das Niveau selbst der kitschigsten Winnetou-Szene deutlich unterböten.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Film Carmen Kwasny über „Der junge Häuptling Winnetou“: Native Americans werden als Stereotype präsentiert

„Die Stereotypen werden an die nächste Generation weitergegeben“, sagt Carmen Kwasny, Vorsitzende der Native American Association of Germany. Die Vorgeschichte von Karl Mays berühmtester Figur „Winnetou" habe sie sehr enttäuscht. Viele Details und Requisiten hätten nicht gestimmt, darunter die Tierschädel oder ein Kreis aus Federn: „Sie haben nichts mit der Kultur der Mescalero-Apachen zu tun.“  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Schwarze nicht unsichtbar machen: Jens Balzer über kulturelle Aneignung

„Es geht darum, verfälschte Geschichtsschreibung zu korrigieren“, sagt der Kulturjournalist und Autor Jens Balzer über sein neu erschienenes Buch „Ethik der Appropriation“. In der US-amerikanischen Kulturgeschichte sei es immer wieder um die Aneignung
afroamerikanischer Stile gegangen. Elvis Presley habe sich zum König des Rock 'n' roll ausgerufen, Eric Clapton zum König des Blues. „Dahinter wurden dann die schwarzen Urheberinnen und Urheber unsichtbar.“
Andererseits bestehe Kultur immer aus Aneignungen verschiedener Formen und Stile. Nur müsse man im Einzelfall bewerten, welche kulturellen und eventuell auch rassistischen Muster aufgerufen würden, wenn beispielsweise weiße Musikerinnen und Musiker Dreadlocks trügen. Man müsse bedenken, dass es um Insignien einer ursprünglich versklavten Kultur gehe. Auf der anderen Seite sei allerdings auch Reggae keine indigene Musik, sondern selbst schon eine Melange unterschiedlicher Stile und Musikkulturen.
„Ich würde für etwas mehr Gelassenheit einerseits plädieren und andererseits nochmal überlegen, was sind die Wurzeln dieser Debatte und warum hat die Kritik ihre Berechtigung", versucht Jens Balzer deshalb zwischen den Lagern zu vermitteln. Tatsächlich beruhe, so Balzer, jede Kultur auf Aneignung. Die Frage sei daher nicht, ob Appropriation berechtigt ist, sondern wie man richtig appropriiert. Der Journalist ist davon überzeugt: „Das unterscheidet sich von Fall zu Fall.“  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN
SWR