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Dieses Bild vom Leichnam eines zweijährigen Kindes ging vor fünf Jahren um die Welt: Der syrische Junge Alan Kurdi liegt tot am Strand von Bodrum. Er hat die Flucht über das Mittelmeer nicht überlebt. Ein Bild mit enormer politischer Sprengkraft, das weltweit von Künstler*Innen reproduziert wurde, sagt Kunsthistoriker Ulrich Blanché in SWR2.

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„Ein paar Tage später hat sich eine ganze Gruppe an den Strand gelegt in genau dieser Pose, auch mit rotem T-Shirt und blauer Hose“: Eine Art Gedenkpose für den verstorbenen Jungen und eine Reinzenierung des symbolträchtigen Bildes, sagt Kunsthistoriker Ulrich Blanché in SWR2.

Auch die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ habe das Thema aufgegriffen. „Die wohl bekannteste Variante ist die von Ai Wei Wei, der sich selber auf der Insel Lesbos direkt am Strand in dieser Position hat fotografieren lassen,“ so Blanché. Auch zahlreiche Streetart-Werke des Fotos habe es gegeben.

Graffiti Alan Kurdis in Frankfurt am Main (Foto: picture-alliance / Reportdienste, AP Photo/Michael Probst)
AP Photo/Michael Probst

Es gibt Bilder, denen man zuschreibt, die Welt verändert zu haben. Das Bild von Alan Kurdi sei ein solches Bild. Der Druck der Bevölkerung auf Regierungen habe zugenommen. Der Britische Premierminster David Cameron habe zugesagt, 20 000 Flüchtlinge aufzunehmen – eine direkte Folge der medialen Sprengkraft des Bildes, so Ulrich Blanché in SWR2.

Migrationspolitik Fünf Jahre „Wir schaffen das“: Deutschlands Willkommenskultur und ihre Folgen

„Wir schaffen das“ – Ein einfacher Satz von Angela Merkel, der zum Sinnbild wurde für den kurzen Augenblick gelebter Willkommenskultur in Deutschland. Merkels Entscheidung vom 4. September 2015, die Grenze nach Deutschland für den Strom der Geflüchteten in Ungarn offen zu halten, brachte Deutschland weltweit zwar Respekt entgegen. Doch im eigenen Land kam es bald zu heftigem Widerstand – mit Konsequenzen, die bis heute nachwirken.  mehr...

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