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Er gilt als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts, der deutsche Völkermord an den Herero und Nama in Namibia. Nach langen Verhandlungen wird es nun ein Versöhnungsabkommen zwischen Deutschland und Namibia geben. Deutschland will anerkennen, dass seine Kolonialverbrechen aus heutiger Sicht ein Völkermord waren. Außerdem kündigte Außenminister Heiko Maas ein Wiederaufbau- und Entwicklungsprogramm für Namibia in Höhe von 1,1 Milliarden Euro an, als ,,Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids".

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Darf von Reparationen gesprochen werden?

Das Abkommen könnte einerseits ein beachtlicher Schritt sein, wenn man das bisherige Verhalten ehemaliger Kolonialmächte anschaue, aber leider gäbe es zentrale Probleme, die die Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland seit langem begleiten würden, sagt Prof. Reinhart Kößler, emeritierter Soziologe und Namibia-Experte in SWR2. ,,Einmal die Frage der Reparationen, ob das jetzt Reparationen heißen darf. Das ist ja nicht nur eine Bezeichnung, sondern es geht unter anderem darum, welche Ansprüche damit verbunden werden," so Kößler, denn bei Reparationen hätten die Geschädigten einen Rechtsanspruch.

Präzedenzfälle befürchtet

Doch von deutscher Seite scheine man mit diesem deutsch-namibischen Abkommen nicht wirklich bereit zu sein, den Völkermord und Reparationsansprüche auch rechtlich anzuerkennen, meint Kößler: ,,Es gibt unter anderem doch sehr deutliche Hinweise, dass die deutsche Diplomatie große Reserven hat, weil dadurch Präzedenzfälle entstehen würden."

Wobei sich die Präzedenzfälle weniger auf die Kolonialzeit beziehen würden, sondern auf Forderungen aus Griechenland, Italien und Polen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Da ging es auch um große, schreckliche Verbrechen und ,,da möchte man offenbar vermeiden, Präzedenzfälle zu schaffen und womöglich die eigene rechtliche Position zu verschlechtern," so Kößler.

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