Experimentelle Video-Stolpersteine aus Mainz Mit der Kamera auf Spurensuche

Welche Geschichte, welches Leben verbirgt sich hinter den Namen auf den Stolpersteinen? Dieser Frage gingen Studentinnen und Studenten der Hochschule Mainz nach. Herausgekommen sind sechs experimentelle filmische Kurzessays

"Gerade im Bereich Experimentalfilm gilt es zwischen den Zeilen zu lesen, Stimmungen und Emotionen zu wecken und den Betrachter durch elementare Reize zu fesseln", sagt Daniel Seideneder - Dozent des Kurses im im Studiengang Mediendesign / timebased Media. Seine Studenten verzichteten bewusst auf eine rein dokumentarische Herangehensweise und experimentierten mit unterschiedlichen Stilen des avantgardistischen filmischen Gestaltens von Sergei Eisenstein bis Chris Cunningham.

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Tristan Blaskowitz
Johanna Sichel

Tristan Blaskowitz  recherchierte intensiv im Stadtarchiv und arbeitete mit der Stolperstein-AG der Frauenlobschule in Mainz zusammen. "Dieser Kurzfilm ist mein erster Gehversuch in Richtung Experimentalfilm. Mir war es wichtig, die Härte und den Ernst des Themas deutlich zu zeigen und dennoch abstrakt zu bleiben. Alle Monologe und Geschehnisse im Film basieren auf realen Dokumenten und Ereignissen."

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Nicholas Dues

Die Furcht

Nicholas Dues beschäftigte sich mit dem Mainzer Weinhändler Carl Theodor Frank. "Besonders faszinierend war für mich die außerordentliche Stärke, die er bewies: Mit enormer Standhaftigkeit beharrte er trotz des Wissens um die Konsequenzen auf seinem Recht,  in seinem Heimatort leben zu dürfen.
Darüber hinaus inspirierte mich bei meiner Arbeit die Vorstellung, vollkommen blind, eingesperrt auf einem Dachboden, gegen den Hunger und die unendliche Angst ankämpfen zu müssen. Meine Intention war es, den Kontrast zwischen seinem zuvor glücklichen Leben und der Qual, dass einem alles entrissen wird, zu verbildlichen und die dabei hervorgerufenen Emotionen auf den Zuschauer zu übertragen."

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Matthias Knebl

Die Finther Hochwassermarke

Matthias Knebl holt die Vergangenheit ins Jetzt, in dem er  Archivfotos auf Finther Gebäude projeziert. Auf vielfältige Weise fängt er die beklemmende Atmosphäre ein, als Max Henlein 1942 aus Mainz-Finthen deportiert wurde. "Als zugezogener Finther, fand ich es sehr spannend, den Geschichten um das Schicksal von Max Henlein, in der unmittelbaren Nähe meines neuen Zuhauses nachzufühlen."

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Alexander Rung

"Deutsche Hörer!"

Alexander Rung schildert mit eindringlichen Bildern das Schicksal von  Julius Stenger, der es genauer wissen wollte. Seine Untermieterin denunzierte ihn für das Abhören ausländischer Sender. Beim Verhör durch die Gestapo nutzte er eine Pause, um sich aus dem Fenster zu stürzen. Den Fall überlebte er nicht. "Mir war es ein Anliegen, die irrsinnige Verharmlosung des Krieges durch die nationalsozialistische Berichterstattung audiovisuell zu verdeutlichen, und aufzuzeigen, wie schnell ein einfacher Hörer in dieser Diktatur zum Verbrecher gemacht wurde."

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Mauro Pinterowitsch

Was wäre wenn?

Mauro Pinterowitsch geht in seinem Kurzfilm der Frage "Was wäre wenn" nach: "Wären Fritz und Anny Salomon keine Juden gewesen, hätten sie noch lange leben und viele Dinge, wie alle anderen auch, unternehmen können. Ich wollte ihre Lebensgeschichte erzählen, wie sie hätte ausgehen können. Damit erschuf ich mit fiktiven Mitteln eine 'normale' Lebensgeschichte, die allerdings am Ende des Kurzfilms wieder zurück in die Realität geholt wird."

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Jakob Neunddorfer

Kaiserstraße 38: Enteignung der Mainzer Familie Fulda

Jakob Neundorfer erinnert an die Enteignung des Mainzer Bankhausbesitzers Dr. Isaac Fulda. Das Haus mit der Nummer 38 in der Kaiserstraße ist eines von den wenigen gut erhaltenen Häusern, das noch den Geist der Vergangenheit ausstrahlt. Es wurde deshalb zum Ausgangspunkt seines filmischen Kurzessays: Auszüge aus Dokumenten über die Enteignung sind wie durch "Geisterhand" an die Wände geschrieben und mittels Stop-Motion-Technik festgehalten. Der Arbeitskreis "Israel" des Theresianum Mainz unterstützte die Recherchen zur Familie Fulda.

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