Leiter Peter Hanser-Strecker im Interview 50 Jahre bei Deutschlands größtem Musikverlag

Gespräch vom 1.10.2018

Schott Music verlegt große Musik: Opern von Wagner, Beethovens Neunte, Mozart-Kompositionen. Seit 50 Jahren leitet Peter Hanser-Strecker Deutschlands größten und zweitältesten Musikverlag. In SWR2 erzählt er über die große Zukunft der Musik in China und die amourösen Kapriolen von Richard Wagner.

Sechsmal mehr Musik als vor 30 Jahren

Sechsmal mehr Musik wird heute konsumiert als vor 30 Jahren. "Damals war es gezieltes Hören, heute ist es Dauerhören", so der Musikverleger. Viele Schüler hörten heute sechs Stunden Musik am Tag. "Es ist irgendwo auch ein Zeichen des Verfalls, dass man Kulissen klanglicher Art braucht."

268 Millionen Klavierspieler in China

Dass dem Verlag die Kunden für klassische Musik nicht ausgehen, dafür sorge heute unter anderem auch China. "Die Liebe zu Beethovens Neunter ist in China überschwänglich groß", so Hanser-Strecker. Im Reich der Mitte gebe es allein 268 Millionen Klavierspieler. "Diese Zahl kann man nicht träumen, die kann man nur glauben."

Schott und das Doppelleben von Richard Wagner

Das Verlagshaus hat schon viele Geschichten erlebt. Zum Beispiel gab es mal ein verschwiegenes Zimmer, das der Verlag seinem Komponisten Richard Wagner mit einer Chaiselongue und dichten Vorhängen ausstattete. Dort traf sich Wagner mit seiner Mainzer Freundin Mathilde Meier. Wagner, so Musikverleger Hanser-Strecker, sei im eigentlichen Sinne der Erfinder des Doppellebens gewesen.

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