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Biographien von Exilanten müssen sichtbar gemacht werden

Deutschland ist Wahlheimat vieler Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Journalist*innen geworden, die in ihrer Heimat verfolgt werden oder über keine Arbeitsmöglichkeiten mehr verfügen. Gerade im Exil benötigten sie dringend Kontakte, so Sven Tetzlaff in SWR2, der für die Hamburger Körber-Stiftung die vierwöchige Online-Veranstaltung „Tage des Exils“ organisiert.

Bei den vielen geplanten Online-Begegnungen gehe es vor allem darum, Biographien sichtbar zu machen, die jeweiligen Gründe für die selbstgewählte Existenz im Exil zu erklären. Neben bekannten Exilanten wie dem türkischen Journalisten Can Dündar würden auch Leute aus Bangladesh, Äthiopien oder dem Sudan am Programm teilnehmen, so Tetzlaff.

Dem deutschen Publikum soll das schwierige Schicksal der Exilanten vor Augen geführt werden

„Ganz wichtig ist es für uns zu schauen: Wie können wir sie ins Gespräch bringen, ihnen eine Stimme geben, ihnen eine Bühne bieten, damit sie sichtbar werden?“ Dafür wolle man bei den „Tagen des Exils“ eine Möglichkeit bieten.

Neben dem schriftstellerischen Werk vieler Teilnehmer*innen werde auch in das Musikschaffen und performative Kunst von Exilanten eingeführt, beispielsweise im Bereich Schauspiel. Auch dem deutschen Publikum wolle man auf diese Weise das schwierige Schicksal von Exilanten vor Augen führen.

Sven Tetzlaff: „Sie verlieren ihren Freundeskreis, ihr familiäres Umfeld, können sich nicht mehr in der Sprache, die sie gelernt haben, verständlich machen, müssen zum Teil ihre Berufskarrieren abbrechen.“ Aus den Exilgeschichten der 30er Jahre wüssten wir dabei gut, dass viele an ihrem Exil-Schicksal auch zerbrochen seien.

Gespräch „Undoing Prison": Zehra Doğan, Aslı Erdoğan und Can Dündar schildern ihre Kunst im Gefängnis

Die Künstlerin und Journalistin Zehra Doğan, die Schriftstellerin Aslı Erdoğan und der Journalist Can Dündar gelten in der Türkei als „Staatsfeinde“ und leben im Exil. In einer Online-Diskussion am Berliner Gorki-Theater schildern sie, was es bedeutet, wenn Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Journalist*innen, für Gedanken verurteilt werden. Yunus Ersoy vom Gorki-Theater ordnet ihre Situation in der Türkei vor dem Hintergrund staatlichen Repression ein.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Hohe Haftstrafe für Can Dündar: Wie Erdogan die Pressefreiheit zertrampelt

Der Deutsche Journalisten-Verband DJV erhebt heftige Kritik wegen der hohen Haftstrafe gegen den türkischen Journalisten Can Dündar. „Das ist ein Zeichen des Staates, der kritische Berichterstattung nicht dulden möchte“, erklärt der DJV-Vorsitzende Frank Überall im Gespräch mit SWR2. Ein Gericht in Istanbul hatte Dündar am Vormittag zu 27 Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte Dündar vorgeworfen, Staatsgeheimnisse verraten und Spionage betrieben zu haben, weil dieser einen Bericht über türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien verfasst hatte.
Die harte Strafe, meint Frank Überall, „soll offensichtlich davon abhalten, dass die türkische Bevölkerung, dass die Welt davon erfahren“. Überall weiter: „Für kritischen Journalismus ist das der Tod“. Sorge bereitet dem Vorsitzenden des DJV auch, dass langjährige Bemühungen für mehr Pressefreiheit in der Türkei wenig Früchte tragen. Unter Erdogan würden diese Ansätze für mehr Offenheit „zertrampelt“, so Überall.
Obwohl Dündar seit 2016 im Exil in Deutschland lebt sei das Urteil äußerst belastend. Es gehe nicht nur darum, dass er nicht mehr in die Türkei reisen dürfe: „Reisen ist für Can Dündar insgesamt ein Risiko“, urteilt Überall unter Hinweis darauf, dass die Türkei möglicherweise einen Interpol-Haftbefehl erlasse. Dabei habe Dündar nichts anderes gemacht als seinen Job.
Frank Überall ist studierter Politologe, Journalist und Autor. Er ist seit 2015 Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands DJV.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Seenotrettung – Julia Schaefermeyer zeichnet die Geschichten Geflüchteter auf

Julia Schaefermeyer schreibt im Bord-Tagebuch der "Ocean-Viking" über die Einsätze und sie zeichnet die Geschichten und Augenzeugenberichte geflüchteter Menschen auf, die im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden.   mehr...

SWR2 Tandem SWR2

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