Gespräch

Urteil zur Klarnamen-Pflicht auf Facebook: Digital-Experte Ben Wagner über die Hoffnung auf weniger Hetze in Sozialen Medien

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INTERVIEW
Philine Sauvageot

„Es ist total verständlich, dass man hofft, dass das Problem mit Hass und Hetze im Netz geringer werden könnte. Realistisch ist es leider nicht“, sagt Ben Wagner, Technologie- und Medienwissenschaftler von der TU Delft in den Niederlanden, zur Frage der Klarnamen-Pflicht auf Facebook. Damit befasst sich ab 9. Dezember 2021 der Bundesgerichtshof (BGH). Das Urteil ist am 27. Januar 2022 gefallen.

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Hass wird auch unter Klarnamen verbreitet

Man sehe zusehends, dass vieles von dem, was im Netz an Hass und Hetze verteilt werde, auch unter Klarnamen verbreitet werde, so Wagner. Man müsse dieses Problem angehen, meint der Wissenschaftler, jedoch seien Klarnamen nicht das ideale Werkzeug dafür.

Aktuell sei zum Beispiel das Design von Facebook so ausgerichtet, dass es kaum einen Verantwortlichen gebe und deshalb Menschen beinahe alles schreiben könnten, was sie wollten, sagt Wagner.

Das Mittel würde an der Durchsetzung scheitern

„Facebook will möglichst wenig Geld für die Inhaltskontrolle ausgeben und das führt dazu, dass eine recht geringe Form von Moderation von diesen Inhalten passiert, zudem fehlt es an Regeln im Umgang miteinander“, meint Ben Wagner.

Der Digital-Experte rät, dass im Idealfall gemeinsam mit den Nutzer*innen Regeln abgeschlossen werden müssten, die den Umgang miteinander gestalten. Nur so ließe sich Hetze im Netz nachhaltig vermeiden.

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Gespräch Nicht Algorithmus, sondern Mechanismus: Rechte Inhalte werden im Netz stark gepusht

„Auch ganz ohne Algorithmen ist all das, was Dummheit ist, wo widersprochen werden muss, wo Leute sich drüber aufregen, wird gepuscht. Das ist das Wesen der Aufmerksamkeitsökonomie“, sagt Padeluun, Künstler und Netzaktivist vom Grundrechte- und Datenschutzverein „Digitalcourage“.
Linke Themen hätten leider nicht so viel Polterpotential, weil da viel Konsens bestehen würde. Auf die Frage, was das Aussage über die Nutzer, wenn rechte Inhalte und rechte Akteure stärker im Netz geklickt werden würden, meint Padeluun, das werfe ein Licht auf die mangelnde Medienkompetenz der Nutzer. Immer wieder würde man sich von „Trollereien antriggern“ lassen, da hätten wir alle noch viel an Medienkompetenzübungen zu machen. Und die meisten hätten das Problem auch noch nicht erkannt.
Deutschland sei angeblich laut Twitter das einzige von sieben untersuchten Ländern, in dem es auf Twitter keine „rechte Algorithmus-Logik“ gäbe. Warum Twitter das gerade jetzt verkünde, hänge, meint Padeluun mit den derzeitigen Koalitionsverhandlungen über Netzregulierung zusammen. Twitter wolle verhindern, dass eine starke Regulierung komme. Und nicht stark zu regulieren, davor könne er die Verhandler nur warnen. „Das betrifft nicht nur Twitter. Das betrifft in besonderem Maße Twitch und Instagramm und Facebook. Da muss extrem hart reguliert werden, in meinen Augen sogar diese Art von Medien komplett verboten werden. Denn es sind nicht Algorithmen, die die Gesellschaft an der Stelle kaputt machen, sondern es sind die Mechanismen, die mit dieser Art Medien nicht in Griff zu bekommen sind,“ so Padeluun.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Wahlkampf im Netz: Die anderen Parteien überlassen der AfD nicht mehr den digitalen Raum

Im Bundestagswahlkampf 2021 seien im digitalen Raum erstmals alle Parteien präsent gewesen, sagt Lena-Maria Böswald, Datenanalystin bei Democracy Reporting International (DRI) im SWR2 Gespräch mit Doris Maull. Bei den Bundestagswahlen 2017 hatten vor allem AfD und FDP im Netz aufgetrumpft. Diesen Wettbewerbsvorteil hätten ihnen die anderen Parteien 2021 genommen, so Böswald über die Untersuchung von „Tagesspiegel“ und DRI zu Social Media im Wahlkampf, gefördert von der Mercator-Stiftung.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Steffen Geldner über Social-Media-Marketing von Musiker*innen

Die neuen Corona-Einschränkungen treffen besonders die freien Musiker*innen hart. Denn mit dem Monat Dezember bricht ein traditionell guter Verdienstmonat weg. Einige Musiker*innen versuchen in solchen Zeiten, ihre Social-Media-Präsenz auszubauen, doch das bedarf eine gute Vorbereitung und spezielle Kenntnisse, so Steffen Geldner. Er ist Gründer von BERMVDA, einem Kollektiv, welches unter anderem Musikerinnen und Musiker bei ihrer Vermarktung auf Social-Media-Kanälen unterstützt.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

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Philine Sauvageot