Razzia gegen Reichsbürger

Reichsbürger und Verschwörungsgläubige – „Wir wollen als Gesellschaft nicht hinschauen“

STAND
INTERVIEW
Kristine Harthauer

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Der Autor Tobias Ginsburg kennt die „Reichsbürger“-Szene aus nächster Nähe: Monatelang hat er inkognito im rechtsextremen Milieu für sein Buch „Die Reise ins Reich. Unter Rechtsextremisten, Reichsbürgern und anderen Verschwörungstheoretikern“ recherchiert. Er sagt: Viel gefährlicher als die Reichsbürger seien die „rechtsextremen Verschwörungstheorien, die salonfähig sind“.

Eine der größten Durchsuchungsaktionen in der Geschichte der BRD

Bei einer der größten Durchsuchungsaktionen in der Geschichte der Bundesrepublik wurden mehr als 130 Häuser, Wohnungen und Büros in elf Bundesländern von Polizeieinheiten am 7. Dezember durchsucht, 51 Personen gelten bislang als Beschuldigte, 25 wurden festgenommen.

Diese Razzia richtet sich gegen ein Netz aus dem Milieu der sogenannten Reichsbürger, die beschuldigt werden, einen Staatsstreich geplant zu haben. Diese Pläne haben ihn weniger überrascht, so Ginsburg im Gespräch mit SWR2. „Wir wollen nicht hinschauen“, sagt er. Stattdessen hänge man noch an einem bestimmten Bild von Rechtsextremisten. Dabei fragt er sich: „Wie viel auffälliger sollen sich Rechtsextreme noch verhalten?“

Aktuell Razzia in Reichsbürger-Szene: Suche nach Waffen geht weiter

Die Themen: Stand der Dinge nach der Razzia in der Reichsbürgerszene ++ Wie man sich in BW auf den Warntag vorbereitet hat - Beispiel Aalen ++ Ein Jahr Ampelkoalition: „Abschied und Neubeginn“ ++ Bündnis für die junge Generation – Wie die Bundesregierung den Corona-Blues bekämpfen will ++ Europas Blacksites: Wie Flüchtlinge an der EU-Außengrenze eingesperrt und misshandelt werden ++ Wirtschaft/Börse: Wirecard-Prozess beginnt

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Buchkritik Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey - Gekränkte Freiheit

Querdenker und Reichsbürger zweifeln wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso an wie staatliche Autorität. Überhaupt reklamieren immer mehr Menschen für sich jedwede Freiheit. Solidarität mit Schwächeren bleibt dabei oft auf der Strecke. In ihrem Buch "Gekränkte Freiheit" spüren die Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey den Ursachen nach.
Rezension von Eva Karnofsky.
Suhrkamp Verlag, 471 Seiten, 28 Euro
ISBN 978-3-518-43071-2

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Forum Bekämpfen oder verwalten – Was tut der Staat gegen Rechtsextremismus?

Max Bauer diskutiert mit
Heike Kleffner,Bundesverband der Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt
Armin Kurtović, sein Sohn Hamza Kurtović wurde beim rechtsterroristischen Anschlag von Hanau ermordet
Prof. Dr. Matthias Quent,Soziologe und Rechtsextremismusforscher, Hochschule Magdeburg-Stendal

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Gesellschaft Verschwörungsmythen – Was tun, wenn Familie und Freunde abdriften?

Great Reset, QAnon, Pizzagate, der Deep State oder Fernsteuerung mittels Impfung durch Bill Gates: In der Corona-Pandemie glauben mehr Menschen an Verschwörungsmythen. Wieso sind die gerade in Krisenzeiten so attraktiv? Und was hilft, um Betroffene beim Ausstieg zu unterstützen?

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Gespräch Sozialpsychologin Pia Lamberty: Warum die Energiekrise Verschwörungsideologien anheizt

Man könne noch nicht sagen, welche rechten verschwörungsideologische Proteste angesichts der sich anbahnenden Energiekrise im Herbst auf uns zukommen, sagt die Sozialpsychologin Pia Lamberty, Leiterin der NGHO CeMAS (Center für Monitoring, Analyse und Strategie). Was man allerdings schon sagen könne: „Wir haben es derzeit mit multiplen Krisen zu tun, die Menschen extrem belasten.“ Rechtsextreme versuchten, die realen Sorgen von Menschen für sich zu nutzen, so die Sozialpsychologin. Krisensituationen würden sich leider sehr gut dafür eignen, ob das eine lokale Flutkatastrophe sei oder nun eben die Energiekrise oder die Inflation. Bei den Corona-Protesten haben man sehen können, dass die Proteste von Rechtsextremen nicht nur instrumentalisiert, sondern in vielen Fällen sogar initiiert wurden. Diese Proteste sollten wenig politisch und nach spontanen Demos aussehen. Dabei ging es den rechtsextremen Initiatoren von Protesten immer darum, gegen die Demokratie zu hetzen, in der Hoffnung, dass eine demokratische Gesellschaft kollabiert. Für alle Proteste der kommenden Monate sei die entscheidende Frage: Von wem grenzt man sich ab? Nur wenn es die klare Abgrenzung von Menschenfeindlichkeit nicht gebe, hätten Rechtsextreme eine Chance, Proteste für sich zu nutzen, erläutert Pia Lamberty.

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Rechtsradikalismus Völkisches Denken – Wie gefährlich sind braune Ökobauern und rechte Esoteriker?

Sie bewirtschaften Biohöfe und verehren germanische Götter: In ihren Landkommunen wirken völkische Siedler wie Aussteiger. Harmlos ist ihre rechtsextreme Gesinnung aber nicht.

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