Kulturmedienschau

Umstrittenes Interview: Julian Reichelt zu Gast bei „Chez Krömer“ | 16.11.2022

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AUTOR/IN
Julia Haungs

Geglückte TV-Unterhaltung oder grandios gescheitertes Investigativinterview? Über den Besuch von BILD-Chefredakteur Julian Reichelt in der Sendung „Chez Krömer“ gehen die Meinungen auf den gedruckten Kulturseiten und im Netz auseinander.

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Geteilte Meinungen in Netz und Feuilleton

„Kaum zu glauben, dass sich der Rauch dieses, nennen wir es mal, Gesprächs aus dem Studio schon verzogen hat“, meint der Tagesspiegel – offenbar beeindruckt von der westernartig feindseligen Atmosphäre dieses Schlagabtauschs zwischen Gastgeber Kurt Krömer und seinem Gast Julian Reichelt.

Mit maximaler Pampigkeit befragte Krömer den ehemaligen Chefredakteur der BILD-Zeitung zu dessen vermeintlichem Kokainkonsum, dem Compliance-Verfahren gegen ihn und den MeToo-Vorwürfen. Fazit des Tagesspiegel: „Chapeau, Kurt Krömer. Dem RBB und seinen Zuschauern ist zu wünschen, dass es diesem Talk-Format noch viele weitere Staffeln mit viel Rauch im Studio gönnt.“

Auch auf Twitter amüsieren sich viele Nutzer*innen über die Ironie, dass ausgerechnet Reichelt einfordert, seine Privatsphäre zu schützen.

Andere finden, dass Kurt Krömer in diesem Interview keine gute Figur macht. Das sehen auch viele Medien so. „Wie man Julian Reichelt besser nicht interviewt“ titelt die Süddeutsche online. Und der Spiegel kommt zu dem Schluss: „an Julian Reichelt rackert sich der Moderator vergeblich ab“.

Zeit Online: „Es gibt nichts zu gewinnen“

Zeit Online meint, diese Ausgabe von „Chez Krömer“ entlarve nicht Julian Reichelt, sondern Entlarvungsformate: „Wer zu platt und erwartbar auf den Kopf zufragt, macht auch das Lügen einfacher, beziehungsweise jede Antwort glaubhafter, wenn sie nur gelassen vorgebracht wird. (…)

Und der Fragensteller wirkt auch sonst wenig seriös, wenn er sich mit simpelsten Methoden auskontern lässt und offensichtlich außer den vorbereiteten Fragen keinen Überbau im Kopf hat, kein Interesse außer dem simplen Schlecht-aussehen-lassen-Wollen des Gegenübers aufgrund von Antipathie.

Doch völlig unabhängig davon, wie professionell ein konfrontatives Interview geführt ist: Entscheidend ist zuletzt, dass es im Fall von Reichelt bei Krömer komplett unnötig war. (…) Es gibt also bei dem Versuch, ihn auf diese Art zu entlarven, nichts zu gewinnen und offensichtlich einiges zu verlieren.“

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Literatur Kurt Krömer spricht in seinem neuen Buch offen über seine Depression

„Ich war dreißig Jahre depressiv. Ich muss damit leben. Und ich habe keinen Bock, das zu verheimlichen.“ Mit diesem Satz löste der Komiker Kurt Krömer in seiner Sendung eine Welle der Anteilnahme aus. Wie diese dreißigjährige Leidensgeschichte im Detail aussah, das hat Alexander Bojcan, so Krömers bürgerlicher Name, nun in einem Buch festgehalten. In „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst – Meine Depression“, erzählt Bojcan offen über seine traumatisierende Kindheit, aber auch über sein eigenes Versagen als Vater. Seine Depression beschreibt er als „fette, schwarze Hexe, die auf deiner Brust sitzt“ und spricht damit auch vielen anderen Erkrankten aus der Seele.
Dieses Buch wirbt für einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten und ist gleichzeitig kein Leidensbericht, sondern eine komische und extrem liebenswerte Liebeserklärung an das Leben und die Kunst. Ein großes, ein großartiges Buch. „Und ab dafür“, würde Kurt Krömer sagen.  mehr...

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Hörbuch Offenherzig: Kurt Krömer liest „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst. Meine Depression“

Die Sendung, in der sich Kurt Krömer und Torsten Sträter über ihre Depression unterhielten, wird mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Mit seinem Buch fügt Kurt Krömer alias Alexander Bojcan noch ein weiteres Ausrufezeichen dazu: Offen erzählt er seine Geschichte, um anderen Mut zu machen.  mehr...

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Julia Haungs